Soziolinguistik · Klasse 10–13

Diglossie & Code-Switching

Erlebe interaktiv, wie Kontext die Sprachwahl bestimmt – und wann Sprecher bewusst den Code wechseln.

Was lernst du hier?

H-Varietät (High) L-Varietät (Low)

In vielen Sprachgemeinschaften koexistieren zwei Varietäten: eine formelle H-Varietät (Schule, Behörden, Medien) und eine informelle L-Varietät (Familie, Freunde, Alltag). Dieses Phänomen heißt Diglossie (Ferguson, 1959). Wenn Sprecher innerhalb eines Gesprächs zwischen Codes wechseln, spricht man von Code-Switching (Gumperz, 1982). Wichtig: Code-Switching ist kein Zeichen von Sprachinkompetenz – sondern eine regelgeleitete soziale Strategie (Poplack, 1980).

Stufe 1 Diglossie – Welche Varietät passt zum Kontext?
Aufgabe: Du siehst vier Situationen. Entscheide jeweils: Wird hier eher die H-Varietät (formell) oder die L-Varietät (informell) verwendet? Mach deine Vorhersage, bevor du die Lösung siehst.
🏫 Unterrichtsgespräch mit dem Lehrer Szenario 1 von 4

Du besprichst mit deiner Lehrerin die Hausaufgaben. Sie erklärt dir einen Grammatikfehler.

Szenario 1 von 4

Vorhersage: Welche Varietät wird hier verwendet?

Simulation abgeschlossen!

Du hast Diglossie (Ferguson, 1959) und Code-Switching (Gumperz, 1982) interaktiv erlebt. Varietätenwechsel ist keine Sprachinkompetenz – sondern eine komplexe, regelgeleitete kommunikative Strategie (Poplack, 1980), die soziale Kompetenz erfordert.

Merkformeln:
Diglossie: Kontext → Varietät (formell → H, informell → L)
Code-Switching: situational = externer Trigger | metaphorisch = interner Trigger (Umdeutung der Situation)

Häufiger Irrtum: »Wer zwischen Varietäten wechselt, kann keine richtig.« Das Gegenteil ist wahr: Diglossiefähigkeit und Code-Switching-Kompetenz sind Zeichen kommunikativer Stärke.