Lernersprache & Fossilisierung

Interaktive Simulation zum Zweitspracherwerb – Fehlertypen erkennen, Interlanguage verstehen, Fossilisierung analysieren.

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Das Interlanguage-Kontinuum (Selinker 1972)

L2-Lernende bauen eine Lernersprache auf – ein eigenständiges System zwischen ihrer Muttersprache (L1) und der Zielsprache. Es entwickelt sich durch Input und Feedback, kann aber an bestimmten Stufen fossilisieren.

Vier zentrale Prozesse erzeugen typische Fehler: L1-Transfer, Übergeneralisierung, Vereinfachung und Fossilisierung.

Vorhersage: Welcher Prozess steckt dahinter?

Lies jeden Fehlersatz und wähle den passenden Interlanguage-Prozess. Die Lernenden haben Englisch als Muttersprache und lernen Deutsch.

„Ich bin gegangen nach Hause gestern."
L1 (Englisch): „I went home yesterday." – Die Lernende (B1-Niveau) schreibt diesen Satz spontan.
„Er hat sein Hausaufgaben gemacht."
Ziel: „Er hat seine Hausaufgaben gemacht." – Derselbe Fehler tritt seit zwei Jahren in Aufsätzen und mündlichen Prüfungen auf, auch nach wiederholter Korrektur.
„Ich habedte einen Fehler gemacht."
Ziel: „Ich hatte einen Fehler gemacht." – Der Lernende kennt das Präteritum von „haben", bildet aber die Form analog zu schwachen Verben.
„Die Konferenz war gestern. Ich lernen viel."
Ziel: „… Ich habe viel gelernt." – Der Lernende (A2) vermeidet das Perfekt und nutzt den einfachsten verfügbaren Verbform.
Stufe 2 – Fossilisierungs-Profil

Fossilisierung erkennt man an einer zentralen Eigenschaft: Der Fehler bleibt trotz Input und Korrektur über die Zeit stabil. Im folgenden Lernerprofil siehst du fünf Fehler desselben Lernenden zu drei Messzeitpunkten (T1, T2, T3).

Entscheide für jeden Fehler: Ist er in Entwicklung (verbessert sich erkennbar) oder zeigt er Fossilisierungs-Muster (bleibt konstant oder kehrt immer wieder)?

Vorhersage: Entwicklung oder Fossilisierung?

Lernerin: Keiko (L1 Japanisch, lernt Deutsch seit 4 Jahren, Niveau B2)

Fehler A – Verbendstellung im Nebensatz

T1: „…weil er kommt nicht." → T2: „…weil er nicht kommt." → T3: „…weil er nicht kommt."

Fehler B – Genuskongruenz beim Possessivpronomen

T1: „sein Mutter" → T2: „sein Mutter" → T3: „sein Mutter"

Fehler C – Artikel bei abstrakten Nomen

T1: „∅ Liebe ist wichtig" → T2: „Eine Liebe ist wichtig" → T3: „Die Liebe ist wichtig"

Fehler D – Aspektmarkierung durch Präfix

T1: „Ich ess" → T2: „Ich esse" → T3: „Ich esse" (Präfix-Aspekt wie im Japanischen fehlt, Tempus korrekt)

Fehler E – Trennbare Verben im Hauptsatz

T1: „Ich anrufe ihn." → T2: „Ich rufe ihn." → T3: „Ich rufe ihn an."
von 9 Punkten
Zusammenfassung

Kernkonzepte der Lernersprache

Diese vier Prozesse bilden die Grundlage von Selinkers Interlanguage-Modell (1972). Jeder Fehler im Zweitspracherwerb lässt sich einem oder mehreren dieser Mechanismen zuordnen.

L1-Transfer Übergeneralisierung Vereinfachung Fossilisierung Interlanguage (Selinker 1972) Approximative Entwicklung Lernersprachen-Profil

Wichtig: Fehler im Zweitspracherwerb sind keine Zeichen von Desinteresse – sie sind systematisch und zeigen den aktuellen Erwerbsstand der Lernersprache. Nur Fossilisierung stellt ein dauerhaftes Plateau dar.