Erkenne, transformiere und verstehe, wann welcher Stil angemessen ist — interaktiv in zwei Schritten.
Fortschritt: Schritt 1 von 2
Das Modell: Zwei Stile – dieselbe Aussage
Verbalstil
Der Forscher untersuchte die Proben sorgfältig, weil er sicherstellen wollte, dass die Ergebnisse stimmen.
Nominalisierung →← Aktivierung
Nominalstil
Die sorgfältige Untersuchung-ung der Proben durch den Forscher diente der Sicherstellung-ung der Richtigkeit-keit der Ergebnisse.
Lesbarkeits-Indikator (schematisch)
Verbalstil
leicht lesbar
Nominalstil
schwerer lesbar
Typische Substantivierungsendungen:
-ung-heit-keit-tion-ismus-ität-nis-schaft-tum
Je mehr dieser Endungen in einem Text vorkommen, desto stärker neigt er zum Nominalstil.
Stufe 1 – Erkennen
Vorhersage: Welcher Stil ist das?
Ordne jeden Satz einem Stil zu: Nominalstil, Verbalstil oder Gemischt.
Erst wenn du alle drei eingestuft hast, kannst du prüfen.
Satz A: „Die Überprüfung der Datenlage durch die Kommission ergab eine deutliche Abweichung vom Soll-Zustand."
Satz B: „Die Schülerinnen lernten fleißig, schrieben die Prüfung und freuten sich über ihr gutes Ergebnis."
Satz C: „Nach Eingang des Antrags erfolgt die Bearbeitung, sobald die Behörde alle Unterlagen gesichtet hat."
Stufe 2 – Transformieren
Nominalstil auflösen: Wähle die beste Verbalstil-Version
Unten siehst du einen typischen Nominalstil-Satz aus einem Behördenbrief. Wähle die Version, die ihn am besten in verständlichen Verbalstil überträgt.
Ausgangssatz (Nominalstil):
„Die Durchführung der Renovierungsmaßnahmen erfolgt unter Berücksichtigung der Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner."
Bonusaufgabe: Welcher Satz ist klarer?
Dieser Satz stammt aus einer Schulaufgabe. Welche Version würde ein Lehrer bevorzugen und warum?
Ausgangssatz (Nominalstil):
„Die Durchführung einer Untersuchung des Textes auf sprachliche Besonderheiten hin erfolgte durch die Schülerin."
Abschluss – Merkmale im Überblick
Wann welcher Stil? – Kontextentscheidung
Wichtiges Missverständnis: Nominalstil ist nicht grundsätzlich besser oder wissenschaftlicher.
Auch Duden und APA-Richtlinien empfehlen, Verbalstil dort zu bevorzugen, wo er möglich ist.
Der Nominalstil ist ein Werkzeug – kein Qualitätsmerkmal.
Merkmal
Nominalstil
Verbalstil
Dominante Wortart
Nomen, Substantivierungen
Verben
Typische Endungen
-ung, -heit, -keit, -tion, -ität …
–
Wirkung
abstrakt, distanziert, formell
konkret, lebendig, klar
Geeignet für
Behördentexte, Fachtermini
Alltag, Zeitungen, Schulaufsätze
Risiko
Unverständlichkeit, Schwerfälligkeit
zu informell in Fachtexten
NominalstilSubstantivierungsstilVerbalstilGut gemacht! Du kennst jetzt die Erkennungsmerkmale und kannst Sätze kontextgerecht transformieren.
Der Schlüssel ist das Sprachbewusstsein: nicht ob Nominalstil, sondern wann und wie viel davon.