Im 17. und 18. Jahrhundert trafen Händler, Kolonisatoren und einheimische Völker ohne gemeinsame Sprache aufeinander. Sie schufen Behelfssprachen – Pidgins. Beobachte die Animation und triff deine Vorhersagen, bevor du die Erklärung siehst.
Animation läuft…
Frage 1: Welche Sprache liefert die meisten Wörter im entstehenden Pidgin?
Tok Pisin (Papua-Neuguinea) ist aus einem englischen Pidgin zu einer vollwertigen Kreolsprache geworden. Ordne die folgenden Merkmale zu: Kommt es aus dem Superstrat (Englisch), ist es Kreol-typisch (eigene Entwicklung im Kreol), oder zeigt es Substrat-Einfluss (melanesische Sprachen)?
Der Linguist Derek Bickerton untersuchte in den 1980er Jahren Kreolsprachen aus aller Welt – Sprachen, die völlig unabhängig voneinander entstanden. Er machte eine überraschende Entdeckung.
| Kreolsprache | Superstrat | Region | Tempusmarker vor dem Verb? | Grundwortstellung |
|---|---|---|---|---|
| Tok Pisin | Englisch | Papua-Neuguinea | Ja (bai, bin) | SVO |
| Haïtianisches Kreol | Französisch | Haiti / Karibik | Ja (ap, te) | SVO |
| Papiamentu | Spanisch/Portugiesisch | Niederländische Antillen | Ja (lo, tabata) | SVO |
Was schlussfolgerte Bickerton aus diesen Gemeinsamkeiten zwischen unabhängig entstandenen Kreolsprachen?
- Das Superstrat-Substrat-Modell: Im Pidgin stammt der Wortschatz hauptsächlich aus der dominierenden Superstrat-Sprache; Phonologie und Teile der Grammatik kommen aus dem Substrat.
- Ein Pidgin hat zunächst keine Muttersprachler – alle Sprecher nutzen es als Zweitsprache. Es ist dennoch regelgeleitet, nicht „defekt".
- Durch Kreolisierung wird ein Pidgin zur Erstsprache der nächsten Generation – und entwickelt dann volle grammatische Komplexität (TMA-System, Serialverben).
- Bickertons Language Bioprogram Hypothesis: Kreolsprachen aus völlig unabhängigen Regionen zeigen ähnliche grammatische Strukturen, was auf universale angeborene Sprachfähigkeit hindeutet.