Stufe 1 – Erkennen
Was ist Bedeutungswandel?
Wörter ändern ihre Bedeutung im Laufe der Zeit – manchmal drastisch. Dieser Prozess heißt semantischer Wandel oder Bedeutungswandel. Es gibt vier Haupttypen:
Bedeutungsverengung
Bedeutungserweiterung
Amelioration (Verbesserung)
Pejoration (Verschlechterung)
In Stufe 1 siehst du beide Bedeutungen – die historische und die heutige. Bestimme, welcher Wandeltyp vorliegt.
Wort 1 von 7
Mittelhochdeutsch (ca. 12.–15. Jh.)
vleisch
„Nahrung, Speise allgemein" – alles Essbare, nicht nur tierisches Gewebe
Grimm'sches Wörterbuch, Bd. 3 (1862)
Neuhochdeutsch (heute)
Fleisch
Ausschließlich tierisches Muskelgewebe
Paul: Deutsches Wörterbuch (2002)
Welche Art von Bedeutungswandel liegt vor?
Stufe 2 – Vorhersagen
Jetzt vorhersagen!
In dieser Stufe siehst du nur die historische Bedeutung. Kannst du vorhersagen, in welche Richtung sich das Wort verändert hat? Triff deine Einschätzung – dann erscheint die Auflösung.
Wort 4 von 7
Mittelhochdeutsch
mûs
Ausschließlich das kleine Nagetier
Kluge (2011); Herberg et al. (2004)
Wie hat sich die Bedeutung von „Maus" entwickelt? Triff deine Vorhersage:
–
von 7 Wörtern beim ersten Versuch richtig erkannt
Die vier Typen des Bedeutungswandels
Bedeutungsverengung
Die Bedeutung wird enger / spezifischer.
Fleisch (Nahrung → Muskelfleisch), Brief (Urkunde → Post)
Bedeutungserweiterung
Die Bedeutung wird weiter / allgemeiner.
Maus (Tier → Tier + Eingabegerät)
Amelioration
Das Prestige / die Wertung steigt.
Marschall (Stallknecht → General), Ritter (Reiter → Ehrentitel)
Pejoration
Das Prestige / die Wertung sinkt.
Weib (neutral → abwertend), Dirne (Mädchen → pejorativ)
Merksatz: Semantischer Wandel folgt sozialen Mustern. Wenn gesellschaftliche Rollen aufgewertet werden, steigt oft auch das Wort (Amelioration). Wenn Rollen stigmatisiert werden, folgt das Wort (Pejoration). Verengung und Erweiterung entstehen durch Spezialisierung oder neue Referenten (z. B. Technologie).
Quellenangaben:
Kluge, Friedrich (2011): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 25. Aufl. Berlin: de Gruyter. – Paul, Hermann (2002): Deutsches Wörterbuch, 10. Aufl. Tübingen: Niemeyer. – Grimm, Jacob & Wilhelm (1854–1961): Deutsches Wörterbuch. Leipzig: Hirzel. – Herberg, D. / Kinne, M. / Steffens, D. (2004): Neuer Wortschatz. Berlin: de Gruyter.
Kluge, Friedrich (2011): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 25. Aufl. Berlin: de Gruyter. – Paul, Hermann (2002): Deutsches Wörterbuch, 10. Aufl. Tübingen: Niemeyer. – Grimm, Jacob & Wilhelm (1854–1961): Deutsches Wörterbuch. Leipzig: Hirzel. – Herberg, D. / Kinne, M. / Steffens, D. (2004): Neuer Wortschatz. Berlin: de Gruyter.