Nachhilfe Mentor

Spracherwerbsphasen – Interaktive Simulation

Klasse 10–13 Linguistik Erstspracherwerb
Was lernst du hier?

Kinder erwerben ihre Muttersprache in universellen Phasen – von den ersten Lautäußerungen bis zur komplexen Grammatik. Entdecke, wie Kinder Sprache nicht imitieren, sondern Regeln aktiv konstruieren.

Kernthese: Übergeneralisierungsfehler wie „Ich habe gegeht" beweisen, dass Kinder aktiv Regeln bilden – nicht bloß nachahmen (Argument gegen Skinners Behaviorismus).

Klicke auf einen farbigen Abschnitt, um die Details zur jeweiligen Phase zu sehen.

0–12 Mo. 12–18 Mo. 18–24 Mo. 24–36 Mo. Übergener. 30–48 Mo. Ab 48 Mo. – komplexe Syntax 0 12 18 24 30 48 60+ Monate

Vorsprachliche Phase (Lallphase)

0–12 Monate
Kinder üben die Artikulationsorgane: Schreien → Gurren (2–4 Mon.) → kanonisches Lallen ab dem 6. Monat (CV-Silbenwiederholungen). Das Lallen klingt universell – auch gehörlose Kinder lallen zunächst, hören dann aber auf.
„babababa" „dadadada" „mamama"

Einwortphase – Holophrasen

12–18 Monate
Ein einzelnes Wort steht für einen vollständigen Satz (Holophrase). Die Bedeutung hängt stark vom Kontext ab. Erste stabile Wörter entstehen (typisch: Objekte, Personen, Handlungen).
„Mama!" (= Mama, komm her) „Ball!" (= Gib mir den Ball) „Weg!" (= Das ist weggegangen)

Zweiwortsatz-Phase

18–24 Monate
Kinder kombinieren erstmals zwei Wörter. Proto-syntaktische Strukturen entstehen. Funktionswörter (Artikel, Hilfsverben) fehlen noch. Die Wortstellung ist noch variabel.
„Mama da" „Ball weg" „Mehr Milch" „Auto kaputt"

Telegrafische Phase

24–36 Monate
Mehrwörtige Äußerungen entstehen. Inhaltswörter (Substantive, Verben, Adjektive) dominieren; Funktionswörter und Flexionsmorpheme (Artikel, Konjugationsendungen) fehlen noch – wie bei einem Telegramm.
„Mama Ball haben" „Ich haben Keks" „Papa Auto fahren"

Regelinternalisierung und Übergeneralisierung

30–48 Monate (überlappend)
Kinder internalisieren grammatische Regeln und wenden sie produktiv an – auch auf Ausnahmen. Diese Übergeneralisierungsfehler beweisen, dass Kinder Sprache nicht nur imitieren, sondern Regeln konstruieren.
„Ich habe gegeht." „Die Mäuse haben geessen." „Er hat geschlaft."

Komplexe Syntax

Ab 48 Monate
Nebensätze, Kasusmarkierung und korrekte Verbkongruenz entstehen. Kinder nähern sich der Zielsprachennorm. Irrtümer werden seltener; der Wortschatz wächst rasant (Wortschatzexplosion).
„Weil ich Hunger habe, will ich essen." „Mama hat gesagt, dass du kommst."

Äußerung einer Erwerbsphase zuordnen

Lies die Äußerung und wähle die passende Spracherwerbsphase.

Übergeneralisierungen erkennen

Kinder lernen Sprache nicht durch bloße Nachahmung. Ein starkes Argument dafür sind Übergeneralisierungsfehler: Das Kind wendet eine korrekte Regel auf eine Ausnahme an – und erzeugt eine Form, die es nie gehört haben kann.

Welche der folgenden Äußerungen sind Übergeneralisierungsfehler? Wähle alle zutreffenden aus.

Simulation abgeschlossen!

Du kennst jetzt die Phasen des Erstspracherwerbs und weißt, warum Übergeneralisierungen ein Zeichen von Sprachkompetenz sind – nicht von Fehlern.