Ordne Aussagen den drei großen Theorien zu und wende sie auf ein reales Szenario an –
Behaviorismus, Nativismus und Interaktionismus im Vergleich.
Stufe 1 von 2
🔵 Behaviorismus
B. F. Skinner (1957)
Imitation · Verstärkung · Konditionierung
🟢 Nativismus
Noam Chomsky (1957/65)
LAD · Universalgrammatik · angeboren
🟠 Interaktionismus
Bruner & Vygotsky (1983)
LASS · Motherese · soziale Interaktion
Stufe 1 – Aussagen zuordnen
Aufgabe: Ordne jede der sechs Aussagen der richtigen Theorie zu.
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Richtige Antworten: 0 / 6
Aussage 1
„Wenn ein Kind ‚Mama' sagt und die Mutter lächelt und lobt, wird das Kind
diese Äußerung häufiger wiederholen."
Richtig! Das ist das Kernprinzip der operanten Konditionierung
(Skinner). Die Verstärkung durch Lob erhöht die Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens.
Skinner bezeichnet das als „Mand" – eine sprachliche Reaktion, die durch ihre Konsequenz
geformt wird.
Nicht ganz. Das Loben als Verstärker ist ein Kernmechanismus des
Behaviorismus (Skinner: operante Konditionierung). Der Nativismus erklärt
stattdessen, warum Kinder grammatisch korrekte Sätze bilden können, die sie nie gehört
haben – nicht das einzelne Lernwort.
Aussage 2
„Alle Kinder der Welt durchlaufen dieselbe Abfolge: zuerst Einwort-Äußerungen,
dann Zweiwortsätze, dann vollständige Sätze – unabhängig davon, welche Sprache
sie lernen."
Richtig! Die universale Erwerbssequenz ist ein Hauptargument des
Nativismus. Da Kinder weltweit dieselben Phasen durchlaufen, schließt
Chomsky auf ein biologisch vorprogrammiertes Sprachsystem – das
Language Acquisition Device (LAD). Reine Imitation (Behaviorismus) könnte
diese Universalität nicht erklären.
Nicht ganz. Die universale Erwerbssequenz gehört zum
Nativismus: Weil Kinder weltweit dieselben Phasen durchlaufen – egal
welche Sprache –, schlussfolgert Chomsky auf ein angeborenes Sprachsystem (LAD). Hätte
die Umgebung (Behaviorismus/Interaktionismus) allein die Ursache, wären stärkere
sprachspezifische Unterschiede zu erwarten.
Aussage 3
„Eltern sprechen mit Babys langsamer, höher und deutlicher als mit Erwachsenen
und verwenden einfachere Sätze. Diese sogenannte ‚Motherese' hilft dem Kind,
Sprache zu erwerben."
Richtig! Motherese (auch: Child-Directed Speech, CDS) ist ein zentrales
Konzept des Interaktionismus. Bruner fasst solche Unterstützung unter dem
Begriff LASS (Language Acquisition Support System) zusammen: Bezugspersonen
passen ihre Sprache aktiv an das Kind an und schaffen so optimale Lernbedingungen.
Nicht ganz. Motherese / Child-Directed Speech gehört zum
Interaktionismus. Bruner nennt das gesamte Unterstützungssystem der
Bezugspersonen LASS (Language Acquisition Support System). Der Nativismus
würde sagen: Das LAD ermöglicht Spracherwerb auch ohne Motherese.
Aussage 4
„Kinder bilden Sätze wie ‚Ich habe gegeht' oder ‚Er hat gekommt' –
Wortformen, die sie nie gehört haben. Das zeigt: Sie wenden unbewusst eine
grammatische Regel an, nicht bloße Imitation."
Richtig! Die sogenannte Übergeneralisierung ist eines der
stärksten Argumente des Nativismus gegen den Behaviorismus: Wenn Kinder Formen
bilden, die sie nie gehört haben, kann Imitation nicht die alleinige Erklärung sein.
Chomsky schließt daraus, dass Kinder mit einer angeborenen Fähigkeit ausgestattet sind,
grammatische Strukturen zu erkennen und anzuwenden – dem LAD.
Nicht ganz. Übergeneralisierung (z. B. „gegeht" statt „gegangen", „gekommt" statt „gekommen")
gehört zum Nativismus. Der Behaviorismus kann das gerade
nicht erklären: Imitation würde nur Formen reproduzieren, die das Kind gehört
hat. Die eigenständige Regelanwendung belegt für Chomsky das angeborene LAD.
Aussage 5
„Wenn Kind und Bezugsperson gemeinsam auf dasselbe Objekt schauen und die
Bezugsperson es benennt, lernt das Kind das Wort besonders effektiv.
Dieses Phänomen heißt ‚gemeinsame Aufmerksamkeit'."
Richtig!Joint Attention (gemeinsame Aufmerksamkeit)
ist ein Schlüsselbegriff des Interaktionismus. Bruner und Vygotsky
betonen, dass Sprache in sozialen Situationen gelernt wird, in denen Kind und Bezugsperson
auf denselben Gegenstand gerichtet sind. Ohne diesen sozialen Kontext ist Wortlernen
deutlich weniger effizient.
Nicht ganz. Joint Attention (gemeinsame Aufmerksamkeit) gehört zum
Interaktionismus (Bruner, Vygotsky). Es geht um die Qualität der sozialen
Interaktion, nicht um Verstärkung (Behaviorismus) oder angeborene Strukturen (Nativismus).
Aussage 6
„Sprache entsteht durch ständiges Wiederholen, Nachsprechen und Korrigieren –
wie das Erlernen jeder anderen Fertigkeit, z. B. des Fahrradfahrens."
Richtig! Diese Aussage beschreibt das Reiz-Reaktions-Verstärkungs-Schema
des Behaviorismus. Skinner sieht Spracherwerb als Sonderfall allgemeinen
Lernens: Nachahmung + Bestätigung führen zur Festigung sprachlicher Muster – kein
Unterschied zum motorischen Lernen.
Nicht ganz. Das Vergleichen von Sprache mit dem Erlernen jeder anderen
Fertigkeit (Wiederholen, Korrigieren) ist das Kernbild des Behaviorismus
(Skinner). Chomsky kritisierte genau diesen Gedanken: Sprache ist so kreativ und komplex,
dass sie sich grundlegend von motorischen Fertigkeiten unterscheidet.
Stufe 2 – Theorie anwenden
Szenario: Das Wolfskind
Ein Kind wächst bis zum 12. Lebensjahr ohne menschlichen Sprachkontakt auf.
Mit 13 Jahren wird es gefunden und erhält intensiven Sprachunterricht.
Drei Wissenschaftlerinnen geben je eine Erklärung ab – ohne ihren Namen zu nennen.
Aufgabe: Ordne jede Erklärung (A, B, C) der richtigen Theorie zu.
🌲
Kind allein im Wald (0–12 J.)
→
🧑🤝🧑
Rettung mit 13 Jahren
→
📚
Intensiver Sprachunterricht
Historisches Beispiel: Der reale Fall „Genie" (USA, 1970) zeigt:
Das Mädchen lernte nach der Rettung zwar Vokabular, entwickelte aber nie vollständige
Grammatik. Die Frage, warum, beantwortet jede Theorie anders.
Erklärung A
Erklärung B
Erklärung C
Zusammenfassung – Was die Theorien gemeinsam sagen
Alle drei Theorien kommen beim Wolfskind-Szenario zum gleichen
praktischen Schluss: Frühe Intervention ist entscheidend.
Aber die Begründung ist jeweils eine andere:
Behaviorismus (Skinner):
Ohne Modelle und Verstärkung konnte kein Lernmechanismus aktiviert werden.
Intensiver Unterricht hilft, aber die fehlende Übungszeit ist schwer aufzuholen.
Nativismus (Chomsky/Lenneberg):
Das LAD ist nach der kritischen Periode inaktiv. Grammatikfähigkeit kann nicht
mehr vollständig erworben werden – unabhängig von der Intensität des Trainings.
Interaktionismus (Bruner/Vygotsky):
Ohne LASS und Joint Attention fehlte das soziale Fundament. Spätere Förderung
kann einen Teil aufholen, aber nicht die frühe ko-konstruierte Grundlage ersetzen.
Schnellübersicht: Die drei Theorien
Theorie
Vertreter
Schlüsselbegriff
Schwachpunkt
Behaviorismus
Skinner (1957)
Operante Konditionierung, Imitation
Kann Übergeneralisierung nicht erklären
Nativismus
Chomsky (1957/65)
LAD, Universalgrammatik, krit. Periode
LAD empirisch nicht direkt nachweisbar
Interaktionismus
Bruner & Vygotsky (1983)
LASS, Motherese, Joint Attention, ZPD
Erklärt universale Sequenz nicht vollständig
🎓
Simulation abgeschlossen!
Du hast alle drei Spracherwerbstheorien auf Aussagen und ein reales Szenario angewendet.
Dieses Wissen wird in Deutsch- und Englisch-Klausuren der Oberstufe direkt geprüft.