Stufe 1 von 2 · Vorhersage
Was passiert in Phase 2?
Kinder lernen Sprache in Phasen. Schau dir zunächst an, was ein Kind in Phase 1 sagt – und was das nach der Behaviorismus-Theorie für Phase 2 bedeuten müsste.
Das Kind hat „ging" aus dem Input imitiert, ohne die Regel zu kennen.
Wenn der Behaviorismus recht hat, lernen Kinder nur durch Imitation und Verstärkung – falsche Formen werden sofort durch Elternkorrekturen ausgelöscht.
Vorhersage: Das Kind entdeckt jetzt eine Muster-Regel: „Vergangenheit bildet man mit Stamm + -te" (z. B. spielen → spielte). Was sagt es nun für „gehen"?
Regelbildung Übergeneralisierung U-Kurve
Obwohl Eltern die Form „ging" vorleben und „gehte" korrigieren, tritt die Übergeneralisierung trotzdem auf – weil Kinder aktiv Regeln abstrahieren, nicht nur imitieren. Das nennt man Regelbildung (Pinker 1999, Bybee & Slobin 1982).
Übergeneralisierung Regelbildung
Das nennt man Übergeneralisierung: Die neu entdeckte Regel (Stamm + -te) wird auf alle Verben angewendet – auch auf Ausnahmen. Das kann der Behaviorismus nicht erklären, weil er nur Imitation und Verstärkung kennt, aber keine aktive Regelbildung.
Stufe 2 von 2 · Mechanismus verstehen
Die U-Kurve der Übergeneralisierung
Die drei Phasen ergeben zusammen eine charakteristische U-Kurve: Der Korrektheitsverlauf sinkt in Phase 2 ab, bevor er in Phase 3 wieder steigt. Schau dir die vollständige Zeitleiste an:
Form als Ganzes aus dem Input übernommen – ohne Regelwissen.
Die Regel „Stamm + -te" wird auf alle Verben angewendet – auch irreguläre.
Irreguläre Formen werden als Ausnahmen gespeichert. Die Regel bleibt erhalten.
Welche Theorie erklärt die U-Kurve?
Ordne jede Aussage der passenden Theorie zu. Klicke auf Behaviorismus oder Regelbildung:
Zusammenfassung
Das hast du gelernt
Übergeneralisierung
Kinder wenden eine neu entdeckte Regel auf Ausnahmen an: „ging" → „gehte". Dies ist kein Rückschritt, sondern ein Zeichen aktiver Regelbildung.
U-Kurve
Phase 1 (korrekt) → Phase 2 (Fehler durch Übergeneralisierung) → Phase 3 (wieder korrekt, jetzt regelgeleitet). Der Verlauf beschreibt eine U-Form.
Behaviorismus – widerlegt
Skinner: Kinder lernen nur durch Imitation und Verstärkung. Prediction: keine Übergeneralisierung. Befund: Übergeneralisierung tritt trotzdem auf → Behaviorismus empirisch widerlegt.
Regelbildung – bestätigt
Pinker, Chomsky: Kinder abstrahieren Regeln aktiv aus dem Input. Übergeneralisierung ist der Beweis. Ab Phase 3 kennen sie auch die Ausnahme-Liste.
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