„Schreibe eine Argumentation zu folgendem Thema" steht auf dem Klausurblatt. Und plötzlich ist man nicht sicher: Was genau ist eigentlich eine Argumentation? Wie ist sie aufgebaut? Und was unterscheidet ein gutes Argument von einem schwachen?
Die gute Nachricht: Die Argumentation folgt einem klaren System. Wer dieses System kennt und übt, kann in jeder Klausur überzeugende Argumente aufbauen. Dieser Leitfaden erklärt dir alles Schritt für Schritt.
Was ist eine Argumentation?
Eine Argumentation ist das schriftliche oder mündliche Begründen einer Position. Du vertrittst eine Meinung und stützt sie mit Argumenten, die deine Leser überzeugen sollen. Im Deutschen Schulsystem begegnest du Argumentationen vor allem in diesen Aufgabenformaten:
- Freie Erörterung: Du beziehst Position zu einem Thema ohne Textvorlage
- Textgebundene Erörterung: Du argumentierst im Bezug auf einen Ausgangstext
- Kommentar: Eine kürzer gehaltene, meinungsbetonte Stellungnahme
- Stellungnahme: Ähnlich dem Kommentar, oft in Briefform oder als Reaktion
Alle diese Textformen bauen auf denselben Grundprinzipien der Argumentation auf. Wer das Prinzip beherrscht, kann es auf jede Aufgabenstellung anwenden.
Der Dreischritt: Die Basis jedes Arguments
Das wichtigste Werkzeug beim Argumentation schreiben ist der Dreischritt. Jedes einzelne Argument besteht aus drei Teilen:
- These: Deine Behauptung, dein Standpunkt in einem Satz
- Begründung: Warum ist die These richtig? Erkläre die Logik dahinter
- Beispiel/Beleg: Ein konkretes Beispiel, eine Statistik oder eine Erfahrung, die deine Begründung untermauert
Dieses Schema heißt auch TBE-Methode (These, Begründung, Beispiel) oder, wenn man es grafisch denkt, das „Sandwich-Modell": Oben und unten sind These und Fazit, dazwischen liegen die Füllungen aus Begründung und Beispiel.
Beispiel: These: „Smartphones sollten im Unterricht nicht verboten werden." Begründung: „Digitale Geräte sind ein fester Bestandteil der modernen Arbeitswelt. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, sie verantwortungsvoll einzusetzen." Beispiel: „Eine Studie der Universität Helsinki (2023) zeigte, dass Schüler, die digitale Rechercheaufgaben im Unterricht erledigten, bessere Informationskompetenz entwickelten als Vergleichsgruppen ohne Geräteeinsatz."
Ein Argument ohne Begründung ist eine bloße Behauptung. Ein Argument ohne Beispiel bleibt abstrakt und wenig überzeugend. Der Dreischritt stellt sicher, dass jedes Argument vollständig und nachvollziehbar ist.
Aufbau einer vollständigen Argumentation
Eine ausgearbeitete Argumentation besteht aus drei Teilen:
Einleitung: Interesse wecken und Position klären
Die Einleitung hat zwei Aufgaben: Sie holt den Leser ab und macht deutlich, worum es geht. Gute Einstiege sind zum Beispiel:
- Eine rhetorische Frage, die direkt zum Thema führt
- Eine überraschende Aussage oder Statistik
- Ein kurzes, konkretes Fallbeispiel
- Ein Zitat, das das Thema aufgreift
Am Ende der Einleitung formulierst du deine Hauptthese. Das ist der Satz, den dein gesamter Hauptteil stützen soll.
Hauptteil: Argumente überzeugend entfalten
Im Hauptteil präsentierst du deine Argumente. Dabei gelten zwei wichtige Regeln:
Regel 1: Reihenfolge nach Stärke. Beginne mit einem mittelstarken Argument, dann ein schwächeres, und schließe mit deinem stärksten Argument. Dieses Prinzip nennt man „Klimax" oder Steigerung. Das stärkste Argument bleibt so am besten im Gedächtnis des Lesers.
Regel 2: Ein Argument, ein Absatz. Jedes Argument bekommt seinen eigenen Absatz. Du vermischst keine zwei Gedanken in einem Abschnitt. Das macht deine Argumentation klar und übersichtlich.
Bei einer dialektischen Erörterung, also einer Argumentation mit Pro und Contra, gibt es außerdem die Frage der Anordnung. Entweder du nennst zuerst alle Pro-Argumente, dann alle Contra-Argumente (linearer Aufbau) oder du wechselst zwischen Pro und Contra (Block-Aufbau). Für die Schule ist meistens der lineare Aufbau empfehlenswert, weil er übersichtlicher ist. Mehr dazu findest du im Artikel über die Erörterung schreiben.
Schluss: Position bekräftigen, nicht wiederholen
Im Schluss fasst du deine Position noch einmal zusammen, aber ohne einfach den Hauptteil zu wiederholen. Ein starker Schluss macht eines von Folgendem:
- Formuliert ein Fazit, das die Konsequenz deiner Argumente benennt
- Richtet einen Appell an den Leser
- Blickt in die Zukunft (was passiert, wenn man deiner Position folgt oder nicht)
- Stellt einen Bogen zur Einleitung her (etwa zur rhetorischen Frage zurückkehren)
Wichtig: Keine neuen Argumente mehr im Schluss. Wer im Schlussabsatz noch ein weiteres Argument einführt, macht einen typischen Klausurfehler.
Signalwörter: Argumente logisch verknüpfen
Eine starke Argumentation fließt. Die Argumente folgen nicht einfach aufeinander, sie bauen aufeinander auf. Signalwörter zeigen dem Leser, wie die Gedanken zusammenhängen:
- Einleitung eines Arguments: Zunächst, Ein weiterer Aspekt ist, Darüber hinaus, Außerdem, Besonders wichtig ist
- Begründung einleiten: Denn, Weil, Da, Dies liegt daran, dass, Der Grund hierfür ist
- Beispiel einführen: Zum Beispiel, Ein konkretes Beispiel hierfür, Belegt wird dies durch, Dies zeigt sich etwa daran
- Gegenargument einleiten: Zwar, Allerdings, Man könnte einwenden, Dem lässt sich entgegnen
- Schluss einleiten: Zusammenfassend lässt sich sagen, Abschließend, Insgesamt zeigt sich
Wer diese Signalwörter gezielt einsetzt, schreibt eine flüssige Argumentation, die sich professionell liest.
Argumenttypen: Mehr als nur Meinungen
Nicht alle Argumente sind gleich stark. Je nach Thema und Kontext eignen sich unterschiedliche Argumenttypen:
- Faktenargument: Stützt sich auf Statistiken, Studien oder nachprüfbare Fakten. Sehr überzeugend, wenn die Quelle seriös ist.
- Normatives Argument: Beruft sich auf gesellschaftliche Werte (Gerechtigkeit, Würde, Freiheit). Gut für ethische Debatten.
- Autoritätsargument: Zitiert eine Expertin oder einen Experten. Wirkt glaubwürdig, darf aber nicht allein stehen.
- Analogieargument: Zieht Vergleiche zu ähnlichen Situationen. Erklärt komplexe Sachverhalte anschaulich.
- Erfahrungsargument: Beruft sich auf eigene oder allgemein bekannte Erfahrungen. Weniger stark als Fakten, aber greifbar und nachvollziehbar.
Eine gute Argumentation mischt verschiedene Argumenttypen. Nur Erfahrungsargumente zu verwenden wirkt subjektiv; nur Statistiken aufzulisten ist trocken und wenig überzeugend.
Häufige Fehler beim Argumentation schreiben
Diese Fehler passieren in Klausuren am häufigsten:
- These ohne Begründung: „Ich finde, das Handy sollte erlaubt sein." Warum? Ohne Begründung bleibt das eine leere Behauptung.
- Argument ohne Beispiel: Die Begründung ist da, aber abstrakt. Ein konkretes Beispiel fehlt, das die Begründung anschaulich macht.
- Zu viele Argumente, zu dünn ausgearbeitet: Fünf halbfertige Argumente überzeugen weniger als drei vollständig ausgearbeitete. Klasse statt Masse.
- Keine klare Position: Wer sich nicht festlegt, argumentiert nicht. Eine Argumentation braucht eine klar erkennbare These.
- Neues Argument im Schluss: Der Schluss fasst zusammen, er führt nichts Neues ein.
- Fehlende Übergänge: Argumente stehen nebeneinander wie Inseln, ohne Verbindung. Signalwörter herstellen.
Vorbereitung für die Klausur: So übst du Argumentation
Das Schreiben von Argumentationen verbessert sich durch aktives Üben, nicht durch passives Lesen. Hier sind drei konkrete Übungsformate:
1. Timed Writing: Wähle ein Thema aus der Zeitung und schreibe in 20 Minuten eine vollständige Argumentation mit zwei bis drei Argumenten. Kein Perfektionismus, nur schreiben.
2. Argument-Karten: Schreibe Thesen auf Karteikarten und formuliere dazu Begründung und Beispiel. Diese Methode lässt sich gut mit der Vorbereitung auf einen Kommentar kombinieren, da beide Formate denselben Dreischritt nutzen.
3. Fehleranalyse: Lies alte Klausuren oder Beispielaufsätze und markiere: Welche Argumente haben These, Begründung und Beispiel? Welche nicht? Was fehlt? Diese Form des aktiven Analysierens trainiert das Urteilsvermögen sehr effektiv.
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Argumentation vs. Erörterung vs. Kommentar: Was ist der Unterschied?
Diese drei Begriffe werden oft durcheinandergebracht. Hier eine kurze Abgrenzung:
- Argumentation: Das allgemeine Prinzip des begründeten Meinens. Kein eigenständiges Textformat, sondern die Grundlage aller folgenden Textsorten.
- Erörterung: Eine schulische Textform, die entweder linear (eine Position) oder dialektisch (Pro und Contra) argumentiert. Formaler Aufbau, sachlicher Stil.
- Kommentar: Eher journalistisch geprägt, kürzer, pointierter. Die eigene Meinung darf stärker durchscheinen. Mehr dazu im Artikel über den Deutschaufsatz.
Checkliste vor der Abgabe
Bevor du die Klausur abgibst oder einen Aufsatz einreichst, gehe diese Punkte durch:
- Hat die Einleitung eine klare Hauptthese?
- Folgt jedes Argument dem Dreischritt (These, Begründung, Beispiel)?
- Steht das stärkste Argument am Ende des Hauptteils?
- Sind alle Absätze durch Signalwörter logisch verknüpft?
- Enthält der Schluss kein neues Argument?
- Ist die Position im gesamten Text klar und einheitlich?
Wenn du alle sechs Punkte abhaken kannst, hast du eine vollständige und überzeugende Argumentation geschrieben.
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