Die Einleitung ist das erste, was deine Lehrkraft liest, und oft das, was über den ersten Eindruck entscheidet. Trotzdem fangen viele Schülerinnen und Schüler einfach irgendwie an, ohne Plan, ohne klare Struktur, manchmal sogar mit dem Satz: „In diesem Aufsatz werde ich...“ Das kostet Punkte. Dabei ist eine gute Einleitung schreiben gar nicht schwierig, wenn du weißt, worauf es ankommt.
Was macht eine gute Einleitung aus?
Eine gute Einleitung beim Aufsatz erfüllt drei Aufgaben gleichzeitig. Erstens führt sie ins Thema ein, sodass der Leser sofort weiß, worum es geht. Zweitens macht sie neugierig auf das, was kommt. Drittens gibt sie einen kurzen Vorausblick auf die Struktur oder These des Hauptteils. Diese drei Schritte müssen nicht starr nacheinander kommen, aber alle drei sollten in deiner Einleitung erkennbar sein.
Was eine Einleitung nicht sein darf: eine Inhaltsangabe des Aufsatzes, eine bloße Wiederholung der Aufgabenstellung oder eine leere Floskel. Sätze wie „Seit jeher beschäftigt sich der Mensch mit...“ oder „Diese Frage ist sehr wichtig, weil...“ klingen nicht nach Tiefe, sie klingen nach Zeitfüllung.
Die drei Bausteine einer Einleitung
Egal welchen Aufsatztyp du schreibst, die Einleitung folgt immer einem ähnlichen Muster aus drei Bausteinen:
- Einstieg: Ein konkreter Aufhänger, der Interesse weckt. Das kann ein Zitat, ein Beispiel, eine Frage, eine These oder eine kurze Szene sein.
- Hinführung zum Thema: In ein bis zwei Sätzen arbeitest du dich vom Einstieg hin zum eigentlichen Gegenstand deines Aufsatzes vor.
- Überblick oder These: Du nennst kurz, womit du dich im Aufsatz beschäftigen wirst, oder formulierst deine Hauptthese. Bei einer Analyse gibst du Titel, Autor und Erscheinungsjahr an.
Dieses Muster funktioniert für fast alle Aufsatzformen. Die konkreten Inhalte variieren je nach Texttyp.
Einleitung schreiben für verschiedene Aufsatzformen
Erörterung
Bei einer Erörterung steigst du am besten mit einem aktuellen Beispiel, einem provokanten Zitat oder einer konkreten Alltagssituation ein, die das Thema aufgreift. Dann formulierst du die zentrale Frage oder das Streitthema. Am Ende der Einleitung verrätst du noch nicht deine eigene Meinung, aber du machst deutlich, dass du beide Seiten beleuchten wirst. Wie du von der Einleitung zu deinen Argumenten übergehst, erklärt der Artikel zu Erörterung schreiben ausführlich.
Analyse und Interpretation
Hier gehört in die Einleitung immer ein vollständiger Werksatz: Autor, Titel, Gattung, Erscheinungsjahr und das zentrale Thema des Textes. Danach formulierst du kurz, was du analysieren wirst und welche Methode du anwendest. Ein allgemeiner Einstieg über das Thema ist möglich, aber halte ihn kurz, maximal zwei Sätze.
Kommentar und Sachtext
Beim Kommentar startest du mit dem konkreten Anlass: Welches Ereignis, welche Aussage oder welche Debatte greifst du auf? Dann nennst du deinen Standpunkt klar und kurz. Eine gute Kommentar-Einleitung macht sofort deutlich, worum es geht und was du dazu sagst.
Erzählung und kreatives Schreiben
Bei Erzählungen darfst du weit kreativer sein. Ein spannender Einstieg mitten ins Geschehen (In-medias-res), ein rätselhafter Satz oder ein unerwartetes Bild zieht den Leser sofort in den Text. Vermeide lange Vorgeschichten, die die Spannung nehmen, bevor sie entstanden ist.
5 Formulierungseinstiege, die wirklich funktionieren
Wenn dir gar nichts einfällt, helfen diese fünf Muster als Startpunkt. Passe sie immer an dein konkretes Thema an:
- These als Einstieg: „Fast jede Schülerin und jeder Schüler kennt das Problem: Man sitzt vor einem leeren Blatt und weiß nicht, wie man anfangen soll.“ (bei einem allgemeinen Thema)
- Zitat: „Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen, soll Aristoteles gesagt haben. Beim Aufsatz schreiben ist das kaum übertrieben.“ (nur wenn das Zitat wirklich passt)
- Rhetorische Frage: Wer entscheidet, welche Nachrichten wir lesen, und warum spielt das für die Demokratie eine Rolle? (bei gesellschaftlichen Themen)
- Konkretes Beispiel oder Szene: Es ist Montag, sieben Uhr morgens. Tom öffnet sein Handy und liest als Erstes drei Schlagzeilen. (bei Alltagsbezug)
- Statistik oder Fakt: Laut einer aktuellen Studie verbringen Jugendliche täglich über vier Stunden mit sozialen Medien. (bei sachlichen Themen)
Typische Fehler beim Einleitung schreiben
Diese fünf Fehler unterlaufen besonders häufig:
- Zu lang: Eine Einleitung sollte nicht mehr als ein Zehntel des gesamten Aufsatzes ausmachen. Bei einem 600-Wörter-Aufsatz sind das etwa 60 Wörter.
- Die Aufgabenstellung wiederholen: „In dieser Aufgabe soll ich erklären, warum...“ ist keine Einleitung.
- Sich von Anfang an entschuldigen: „Dieses Thema ist sehr komplex und schwer zu erklären...“ klingt unsicher. Zeige Haltung.
- Zu viel verraten: Die Einleitung stellt das Thema vor, der Hauptteil beantwortet es. Verteile die Arbeit richtig.
- Keine Verbindung zum Hauptteil: Deine Einleitung sollte zum ersten Abschnitt des Hauptteils überleiten, nicht in der Luft hängen. Wie du das technisch löst, zeigt der Artikel zu Überleitung schreiben.
Wie lang sollte eine Einleitung sein?
Als Faustregel gilt: Ein Zehntel der gesamten Textlänge. Bei einer typischen Schulklausur mit 400 bis 600 Wörtern wären das 40 bis 80 Wörter für die Einleitung, also etwa drei bis fünf Sätze. Bei längeren Texten wie Facharbeiten oder Hausarbeiten kann die Einleitung etwas umfangreicher sein, sollte aber trotzdem scharf und fokussiert bleiben.
Wenn du unsicher bist, ob deine Einleitung funktioniert, kannst du sie mit der Nachhilfe Mentor App einreichen und dir direktes Feedback zu Aufbau und Formulierungen holen.
Einleitung schreiben: Schritt für Schritt
Hier ist ein einfaches Vorgehen, das du für jeden Aufsatztyp anpassen kannst:
- Lies die Aufgabe genau und markiere das Kernthema.
- Überlege, welcher Einstiegstyp am besten passt (Frage, Zitat, Beispiel, Szene, Fakt).
- Schreibe den Einstiegssatz oder die Einstiegsszene.
- Führe in ein bis zwei Sätzen zum eigentlichen Thema hin.
- Formuliere eine These, eine Leitfrage oder bei Analysen den vollständigen Werksatz.
- Prüfe: Ist die Einleitung klar, neugierig machend und nicht zu lang?
Wenn du das Schema einmal verinnerlicht hast, schreibst du die Einleitung in unter fünf Minuten. Probiere es bei deiner nächsten Aufgabe direkt aus.
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