Viele Schülerinnen und Schüler bekommen am letzten Schultag vor den Ferien denselben Auftrag: Ferientagebuch schreiben. Manche stöhnen dann, weil es wie Hausaufgaben in der Urlaubszeit klingt. Dabei ist ein Ferientagebuch eines der schönsten Schreibprojekte, die du in der Schule machen kannst. Es gehört dir, du bestimmst den Inhalt, und in ein paar Jahren wirst du froh sein, dass du es geschrieben hast.
In diesem Artikel erfährst du, wie ein gutes Ferientagebuch aufgebaut ist, wie du deine Einträge lebendig schreibst und was du vermeiden solltest. Mit einem konkreten Beispiel und einer Checkliste am Ende bist du bestens vorbereitet.
Was ist ein Ferientagebuch?
Ein Ferientagebuch ist ein persönliches Schreibprojekt, in dem du deine Erlebnisse, Gedanken und Gefühle während der Ferien festhältst. Anders als ein normaler Tagebucheintrag, der über den Alltag berichtet, dreht sich beim Ferientagebuch alles um besondere Momente, neue Orte und ungewöhnliche Erfahrungen.
Im Gegensatz zu einem Erlebnisbericht ist das Ferientagebuch keine sachliche Dokumentation, sondern eine persönliche, lebendige Sammlung von Momenten. Du darfst Meinungen äußern, über Gefühle schreiben und auch kleine Details festhalten, die nur dir wichtig sind.
- Tagebucheintrag: persönlich, über Alltag und Gefühle
- Ferientagebuch: persönlich, über Urlaubserlebnisse und Abenteuer
- Erlebnisbericht: sachlich, strukturiert, für die Schule
Warum ein Ferientagebuch schreiben?
Es gibt gute Gründe, warum Deutschlehrerinnen und -lehrer diese Aufgabe so gerne stellen. Ein Ferientagebuch schreiben trainiert wichtige Fähigkeiten, die dir in der Schule weiterhelfen: Du übst, Erlebnisse chronologisch zu erzählen, konkrete Details einzubauen und deine eigene Stimme zu finden. Gleichzeitig ist es eine Aufgabe, bei der du wirklich Freiheit hast.
Und ganz ehrlich: Ein Ferientagebuch ist ein echtes Erinnerungsstück. Was heute noch frisch im Gedächtnis ist, verblasst schnell. In einem Jahr wirst du froh sein, nachzulesen, wie der erste Strandtag war, was du beim Bergwandern gedacht hast oder welchen witzigen Moment du mit deiner Familie erlebt hast.
Ferientagebuch schreiben: Der Aufbau
Ein Ferientagebuch besteht aus einzelnen Einträgen, in der Regel einem pro Tag oder pro erlebtem Ereignis. Jeder Eintrag hat denselben Grundaufbau:
1. Datum und Ort
Jeder Eintrag beginnt mit Datum und, falls du verreist bist, dem Ort. Das gibt dem Eintrag einen Rahmen und hilft dir später, alles chronologisch zu verstehen.
Beispiel: Montag, 14. Juli 2025, Kroatien, Split
2. Einstieg
Steige direkt ins Geschehen ein. Du musst nicht mit dem Aufwachen beginnen und jeden Schritt des Tages nacherzählen. Greife stattdessen den interessantesten Moment heraus und starte damit.
Beispiel: "Das Wasser war so klar, dass ich die Steine auf dem Grund sehen konnte, obwohl ich mindestens zwei Meter über ihnen schwamm."
3. Hauptteil
Im Hauptteil erzählst du von den wichtigsten Erlebnissen des Tages. Wähle aus, was wirklich interessant, lustig oder besonders war. Nicht alles muss rein. Nutze konkrete Details: Was hast du gesehen, gehört, gerochen? Wie hat etwas geschmeckt, wie hat sich etwas angefühlt?
4. Schluss und persönlicher Eindruck
Beende jeden Eintrag mit einem persönlichen Gedanken. Wie hat dich das Erlebnis berührt? Was wünschst du dir für den nächsten Tag? Ein kurzer Schluss gibt dem Eintrag ein Ende und zeigt deine Persönlichkeit.
Tipps für lebendige Ferientagebuch-Einträge
Das Geheimnis eines guten Ferientagebuchs liegt in den Details. Hier sind die wichtigsten Tipps, damit deine Einträge nicht wie eine Aufzählung klingen, sondern wie eine echte Geschichte:
- Sofort schreiben: Schreibe am besten noch am selben Abend, wenn alles frisch ist. Wer fünf Tage wartet und dann alles auf einmal aufschreibt, erinnert sich nur noch an die groben Umrisse.
- Sinneseindrücke einbauen: Beschreibe, was du gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt und gefühlt hast. "Es roch nach Salzwasser und Sonnencreme" ist viel lebendiger als "Wir waren am Meer".
- Ich-Perspektive durchhalten: Das Ferientagebuch wird immer in der Ich-Form geschrieben. Du bist die Hauptfigur deines Urlaubs.
- Zeitform: Präteritum: Erzähle in der Vergangenheitsform (Präteritum), da die Ereignisse bereits passiert sind. Dein Fazit am Schluss darf im Präsens stehen.
- Konkrete Namen und Orte: "Wir fuhren nach Dubrovnik und bestiegen die Stadtmauer" klingt echter als "Wir besichtigten eine alte Stadt".
- Eigene Meinung zeigen: Du darfst schreiben, was dir gefallen hat und was nicht. Ein Ferientagebuch ist kein Reisebericht, sondern dein persönlicher Blick.
Beispiel-Eintrag
So könnte ein gelungener Eintrag im Ferientagebuch aussehen:
Mittwoch, 16. Juli 2025, Österreich, Hallstatt
Heute Morgen stand ich um sechs Uhr auf, weil Mama sagte, wir müssten früh los, bevor die Touristenbusse kämen. Ich war ziemlich genervt, weil ich eigentlich hatte ausschlafen wollen. Aber als wir am Seeufer ankamen und das Wasser noch vollkommen glatt war und die Berge sich darin spiegelten, war ich froh, dass ich den Wecker gestellt hatte.
Wir fuhren mit einem kleinen Boot über den See. Der Bootsführer hieß Josef und erzählte uns auf Englisch, dass Hallstatt manchmal "das malerischste Dorf der Welt" genannt wird. Das glaube ich nach heute gern.
Am Nachmittag wollte Papa ins Salzbergwerk, aber nach einer Stunde unter der Erde war ich froh, wieder ans Licht zu kommen. Nicht weil es langweilig war, sondern weil mir die Decken zu niedrig waren und ich dauernd ducken musste.
Heute Abend gibt es Käsespätzle. Ich freue mich schon riesig.
Dieser Eintrag zeigt, wie es geht: konkreter Ort mit Datum, ehrliche Meinung, Sinneseindrücke, konkrete Details und ein persönlicher Schluss. Genau das macht ein Ferientagebuch lesenswert.
Ferientagebuch in der Schule: Was Lehrerinnen und Lehrer bewerten
Wenn du das Ferientagebuch als Schulaufgabe abgibst, achten Lehrerinnen und Lehrer vor allem auf diese Punkte:
- Regelmäßigkeit der Einträge (nicht alles auf einmal am letzten Ferientag)
- Persönliche, ich-zentrierte Schreibweise
- Konkrete Details statt vager Beschreibungen
- Richtige Zeitform (Präteritum)
- Sorgfältige Rechtschreibung und Grammatik
- Eigene Meinungen und Gefühle werden sichtbar
Wenn du unsicher bist, ob deine Einträge gut strukturiert sind, kann dir die Nachhilfe Mentor App helfen: Du kannst einzelne Einträge hochladen und gezielt Feedback zu Aufbau, Zeitformen und Ausdrucksweise erhalten.
Häufige Fehler beim Ferientagebuch schreiben
Diese Fehler machen viele Schülerinnen und Schüler und du kannst sie leicht vermeiden:
- Alles aufschreiben: Nicht jede Stunde muss im Eintrag vorkommen. Wähle aus, was wirklich interessant war.
- Zu sachlich schreiben: "Wir fuhren ans Meer und schwammen" ist kein Ferientagebuch, sondern eine Liste. Zeige, wie sich etwas angefühlt hat.
- Fehlendes Datum: Jeder Eintrag braucht Datum und Ort, damit die Chronologie stimmt.
- Alles am Ende schreiben: Wer das Tagebuch drei Tage vor Schulbeginn beginnt, hat keine Chance auf lebendige Details. Schreibe täglich oder zumindest jeden zweiten Tag.
- Zeitformfehler: Mische nicht Präsens und Präteritum durcheinander. Erzähle im Präteritum, nutze Präsens nur für aktuelle Gedanken im Schlussteil.
- Kein Schluss: Beende jeden Eintrag mit einem persönlichen Gedanken. Ein abruptes Ende wirkt unfertig.
Checkliste: Ferientagebuch schreiben
- Habe ich Datum und Ort notiert?
- Steige ich interessant in den Eintrag ein, ohne mit dem Aufwachen zu beginnen?
- Gibt es konkrete Details: Sinneseindrücke, Namen, Orte?
- Zeige ich meine eigene Meinung und meine Gefühle?
- Schreibe ich durchgehend im Präteritum?
- Habe ich einen persönlichen Schluss mit Gedanken oder Ausblick?
- Habe ich den Eintrag auf Rechtschreibung überprüft?
Fazit: Ferientagebuch als echtes Erinnerungsstück
Ein Ferientagebuch schreiben ist keine lästige Pflicht, sondern eine echte Chance: Du übst, lebendige Texte zu verfassen, und behältst gleichzeitig die schönsten Momente deines Urlaubs in Worten. Wähle konkrete Details, zeige deine eigene Stimme und schreibe möglichst zeitnah nach dem Erlebnis. Wenn du ein einzelnes Erlebnis besonders ausführlich beschreiben willst, schau dir auch unsere Tipps zum Erlebnisbericht schreiben an. Und wer im Schuljahr eine Lektüre begleitet, findet im Artikel zum Lesetagebuch schreiben die passende Vorlage.
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