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Imperativ bilden: Regeln, Beispiele und Ausnahmen einfach erklärt

Von "Geh!" bis "Nehmen Sie Platz!": So bildest du die Befehlsform sicher in allen drei Formen

"Komm her!", "Macht die Bücher auf!", "Nehmen Sie bitte Platz!": Alle drei Sätze stehen im Imperativ, der Befehlsform des Deutschen. Der Imperativ begegnet dir in Rezepten, Anleitungen, Aufgabenstellungen und natürlich im Alltag. In Klassenarbeiten wird er trotzdem oft falsch gebildet, weil einige Verben ihre Form verändern und andere hartnäckige Ausnahmen sind. In diesem Artikel lernst du Schritt für Schritt, wie du den Imperativ richtig bildest, welche Regeln für die drei Formen gelten und wo die typischen Stolperfallen liegen.

Imperativ bilden: Was ist die Befehlsform überhaupt?

Der Imperativ ist neben dem Indikativ und dem Konjunktiv der dritte Modus des deutschen Verbs. Während der Indikativ Tatsachen beschreibt und der Konjunktiv Wünsche oder indirekte Rede ausdrückt, richtet sich der Imperativ direkt an eine oder mehrere Personen: Er fordert auf, bittet, warnt oder gibt Anweisungen. Deshalb gibt es ihn auch nur in den Formen, mit denen du jemanden ansprechen kannst:

Eine Ich-Form oder eine er/sie/es-Form existiert im Imperativ nicht. Das Subjekt wird in der du-Form und ihr-Form weggelassen, nur in der Sie-Form steht das Pronomen hinter dem Verb.

Die du-Form: Der wichtigste Fall beim Imperativ bilden

Die meisten Fehler passieren bei der du-Form. Die Grundregel ist zum Glück einfach: Du nimmst den Präsensstamm des Verbs, also die Form der 2. Person Singular ohne die Endung -st und ohne das Pronomen.

  1. Bilde die du-Form im Präsens: du gehst, du fragst, du liest.
  2. Streiche das Pronomen "du" und die Endung -st: geh, frag, lies.
  3. Setze ein Ausrufezeichen oder einen Punkt, je nach Nachdruck: "Geh nach Hause!"

Bei vielen Verben kannst du zusätzlich ein -e anhängen: "Geh!" und "Gehe!" sind beide korrekt, wobei die Form ohne -e in der gesprochenen Sprache üblicher ist. Verpflichtend ist das -e bei Verben, deren Stamm auf -d, -t, -ig oder auf Konsonant plus m/n endet: "Arbeite!", "Warte!", "Entschuldige!", "Atme!", "Öffne!".

Vokalwechsel von e zu i bleibt erhalten

Starke Verben, die in der du-Form den Stammvokal von e zu i oder ie wechseln, behalten diesen Wechsel auch im Imperativ: "du liest" wird zu "Lies!", "du gibst" zu "Gib!", "du nimmst" zu "Nimm!", "du sprichst" zu "Sprich!". Bei diesen Verben darfst du außerdem kein -e anhängen: "Nehme!" oder "Gebe!" sind falsch.

Der Umlaut verschwindet

Anders sieht es beim Umlautwechsel von a zu ä aus. Der verschwindet im Imperativ komplett: Aus "du fährst" wird "Fahr!", nicht "Fähr!". Aus "du schläfst" wird "Schlaf!", aus "du läufst" wird "Lauf!". Merke dir also: e wird zu i bleibt, ä wird wieder zu a.

Die ihr-Form und die Sie-Form

Die beiden anderen Formen sind deutlich einfacher. Die ihr-Form ist identisch mit der 2. Person Plural im Präsens, nur ohne Pronomen: "ihr lernt" wird zu "Lernt!", "ihr nehmt" zu "Nehmt!", "ihr fahrt" zu "Fahrt!". Hier gibt es weder Vokalwechsel noch Sonderregeln.

Die Sie-Form besteht aus dem Infinitiv plus dem nachgestellten "Sie": "Kommen Sie herein!", "Unterschreiben Sie hier!", "Bleiben Sie ruhig!". Das Pronomen darf hier nicht wegfallen, sonst klingt der Satz unhöflich oder unvollständig.

Ausnahmen und Besonderheiten

Ein paar Verben tanzen aus der Reihe und werden deshalb besonders gern in Tests abgefragt:

Auch trennbare Verben verdienen einen genauen Blick: Die Vorsilbe wandert ans Satzende. Aus "aufmachen" wird "Mach das Fenster auf!", aus "mitkommen" wird "Kommt bitte mit!". Bei Verben auf -eln fällt das e des Stammes oft weg: "Lächle!" statt "Lächele!".

Merksatz: Für die du-Form streichst du -st und "du". Der Wechsel von e zu i bleibt, der Umlaut ä fliegt raus, und bei sein heißt es "Sei!".

Typische Fehler beim Imperativ und wie du sie vermeidest

Diese Fehler tauchen in Klassenarbeiten immer wieder auf:

Wenn du unsicher bist, hilft ein einfacher Test: Bilde zuerst laut die du-Form im Präsens und leite den Imperativ dann nach den Regeln ab. Mit etwas Übung passiert das automatisch. Praktisch ist dabei die Nachhilfe Mentor App, in der du dir Imperativformen von der KI erklären lassen und gezielt Übungssätze zu genau den Verben erstellen lassen kannst, die dir noch schwerfallen.

Höflich auffordern: Alternativen zum reinen Befehl

Der Imperativ klingt schnell schroff. In Briefen, E-Mails und Erörterungen wirkt es oft besser, die Aufforderung abzumildern. Dafür hast du mehrere Möglichkeiten: Wörter wie "bitte", "doch" oder "mal" entschärfen den Ton ("Reich mir bitte mal das Heft!"). Fragen ersetzen den Befehl komplett ("Könntest du mir das Heft reichen?"). Und der Konjunktiv 2 macht aus einer Anweisung eine höfliche Bitte ("Würden Sie mir bitte helfen?"). In Textsorten wie dem formellen Brief solltest du den nackten Imperativ deshalb sparsam einsetzen.

So übst du den Imperativ am besten

Der Imperativ lässt sich wunderbar im Alltag trainieren, weil du ihn ständig brauchst. Drei Ideen für dein Training:

  1. Rezept-Methode: Schreibe ein einfaches Kochrezept komplett im Imperativ, einmal in der du-Form und einmal in der Sie-Form.
  2. Verbliste mit Stolpersteinen: Sammle zehn starke Verben mit Vokalwechsel (geben, nehmen, lesen, sprechen, helfen, essen, sehen, treffen, werfen, vergessen) und bilde zu jedem alle drei Imperativformen.
  3. Fehlersuche: Lass dir von einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner absichtlich falsche Imperative vorlegen und korrigiere sie mit Begründung.

Da der Imperativ immer im Präsens steht, brauchst du keine Zeitformen zu beachten. Falls du dein Wissen über Tempora trotzdem auffrischen willst, findest du in unserer Übersicht über die deutschen Zeitformen alle sechs Tempora mit Beispielen.

Fazit

Den Imperativ zu bilden ist keine Hexerei, wenn du die Systematik kennst: Die du-Form entsteht aus dem Präsensstamm ohne -st, die ihr-Form entspricht der normalen Präsensform ohne Pronomen, und die Sie-Form kombiniert den Infinitiv mit nachgestelltem "Sie". Achte auf den erhaltenen Vokalwechsel von e zu i, den wegfallenden Umlaut und die Sonderformen von sein, haben und werden. Wenn du diese Regeln an ein paar Beispielverben durchspielst, sitzt die Befehlsform in der nächsten Klassenarbeit sicher.

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