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Indirekte Rede bilden: Konjunktiv I und II einfach erklärt

So wandelst du wörtliche Rede sicher in indirekte Rede um

Du sollst einen Satz von der wörtlichen in die indirekte Rede umwandeln und stehst vor der Frage: Konjunktiv I oder Konjunktiv II? Genau hier scheitern die meisten, weil sie die Regel nicht kennen, nach der man indirekte Rede bilden muss. Dabei ist das System klarer, als es auf den ersten Blick wirkt. In diesem Artikel lernst du Schritt für Schritt, wie du wörtliche Aussagen korrekt in indirekte Rede überführst.

Was ist indirekte Rede und wofür brauchst du sie?

Die indirekte Rede gibt wieder, was jemand gesagt hat, ohne die Aussage wörtlich zu zitieren. Statt „Ich habe keine Zeit“, sagte Tom schreibst du Tom sagte, er habe keine Zeit. Du brauchst die indirekte Rede vor allem beim Wiedergeben von Zeugenaussagen, Interviews, Nachrichtentexten und in Erörterungen, wenn du fremde Meinungen zusammenfasst, ohne sie als direktes Zitat zu übernehmen. Auch in Berichten und Protokollen ist sie Standard, weil sie neutraler wirkt als die wörtliche Rede.

Indirekte Rede bilden: Die Grundregel mit Konjunktiv I

Der Normalfall, um indirekte Rede zu bilden, ist der Konjunktiv I. Er wird vom Präsensstamm des Verbs gebildet und signalisiert: Das ist nicht meine eigene Aussage, sondern die einer anderen Person.

Die Formen bildest du mit den Endungen -e, -est, -e, -en, -et, -en am Präsensstamm. Bei sein lautet die wichtigste Form er/sie/es sei, bei den meisten anderen Verben brauchst du vor allem die dritte Person Singular, etwa er komme, sie mache, es gebe.

Wann Konjunktiv II statt Konjunktiv I nötig wird

Genau hier liegt der Punkt, an dem viele unsicher werden: Ist die Form des Konjunktivs I mit dem Indikativ identisch, weichst du auf den Konjunktiv II aus, damit klar bleibt, dass es sich überhaupt um indirekte Rede handelt. Das passiert typischerweise in der ersten und dritten Person Plural.

Auch wenn dir eine Konjunktiv-I-Form altmodisch oder unüblich vorkommt, wie bei sie backensie backten statt der seltenen Form sie backen im Konjunktiv I, greifst du im Alltag ebenfalls zum Konjunktiv II. In der gesprochenen Sprache und in vielen Texten wird ohnehin häufig direkt der Konjunktiv II verwendet, in Klausuren solltest du dich aber an die Regel mit dem eindeutigen Konjunktiv I halten, wo sie möglich ist.

Weitere Anpassungen beim Umwandeln in indirekte Rede

Neben dem Modus musst du beim Umwandeln noch drei weitere Dinge beachten:

  1. Personalpronomen anpassen: Aus „ich“ wird je nach Kontext „er“ oder „sie“.
  2. Orts- und Zeitangaben anpassen: „hier“ wird zu „dort“, „morgen“ kann zu „am nächsten Tag“ werden, wenn sich der Zeitpunkt der Wiedergabe verschiebt.
  3. Fragen und Aufforderungen umformen: Aus einer Frage wird ein indirekter Fragesatz mit „ob“ oder einem Fragewort, aus einer Aufforderung ein Satz mit „solle“ oder „möge“.

Beispiel für eine Frage: „Kommst du mit?“, fragt Ben. → Ben fragt, ob sie mitkomme. Beispiel für eine Aufforderung: „Räum dein Zimmer auf!“, sagt die Mutter. → Die Mutter sagt, er solle sein Zimmer aufräumen.

Typische Fehler beim Bilden der indirekten Rede

Die häufigsten Fehler entstehen, wenn Schüler den Konjunktiv I einfach durch den Indikativ ersetzen, weil sich der Konjunktiv „komisch“ anhört. Ein Satz wie Lea sagt, sie ist müde ist im formellen Schreiben nicht korrekt, weil dadurch der Unterschied zur eigenen Aussage verloren geht. Achte außerdem darauf, dass du die Zeitstufe der ursprünglichen Aussage beibehältst: Aus Präsens wird Konjunktiv I Präsens, aus Vergangenheit wird Konjunktiv I Vergangenheit mit habe/sei plus Partizip, zum Beispiel er habe gegessen statt er esse.

Merksatz: Konjunktiv I ist der Normalfall der indirekten Rede. Nur wenn die Form mit dem Indikativ verwechselt werden könnte, springst du auf Konjunktiv II.

Übung macht den Unterschied

Wandle folgende Sätze in indirekte Rede um: 1. „Ich bin krank“, sagt Paul. 2. „Wir haben gewonnen“, rufen die Spieler. 3. „Kommst du morgen vorbei?“, fragt Mia. Lösung: 1. Paul sagt, er sei krank. 2. Die Spieler rufen, sie hätten gewonnen. 3. Mia fragt, ob er morgen vorbeikomme. Wenn du diese drei Fälle sicher beherrschst, hast du die wichtigsten Stolpersteine bereits gemeistert. Mit der Nachhilfe Mentor App kannst du dir zusätzliche Übungssätze generieren lassen und dir Schritt für Schritt erklären lassen, warum welche Form richtig ist.

Wenn du Konjunktiv II auch losgelöst von der indirekten Rede üben willst, etwa für Wunschsätze und Irreales, hilft dir unser interaktiver Konjunktiv-II-Trainer weiter.

Fazit

Um sicher indirekte Rede zu bilden, brauchst du im Kern nur zwei Dinge: den Konjunktiv I als Standardform und den Konjunktiv II als Ausweichlösung, wenn die Formen sonst mit dem Indikativ verwechselt werden könnten. Dazu passt du Pronomen, Orts- und Zeitangaben sowie die Satzart an. Mit ein paar Übungssätzen wird aus der vermeintlich komplizierten Grammatikregel schnell Routine, die dir in Klausuren und Zusammenfassungen zuverlässig Punkte sichert.

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