Was ist ein Interview und wann brauchst du es?
Ein Interview ist ein journalistisches Gespräch, das du schriftlich festhältst. Du stellst einer Person gezielte Fragen, sie antwortet, und du veröffentlichst das Gespräch in aufbereiteter Form. Das klingt simpel, steckt aber voller Fallen.
In der Schule begegnest du dem Interview vor allem im Deutschunterricht ab Klasse 7, in der Medienkunde oder im Rahmen von Schulzeitung und Projektarbeiten. Typische Aufgaben: Du sollst eine bekannte Person interviewen (auch als Rollenspiel), ein Experteninterview zu einem Sachthema vorbereiten oder ein bereits vorliegendes Interview auswerten und überarbeiten.
Anders als ein Bericht oder eine Reportage zeigt das Interview den Interviewten in seinen eigenen Worten. Das ist seine Stärke: Der Leser hört die Stimme der Person direkt.
Die drei häufigsten Interview-Typen in der Schule
- Persönlichkeitsinterview: Im Mittelpunkt steht die interviewte Person, ihr Leben, ihre Meinungen und Erfahrungen. Geeignet für Schulzeitung oder Projektarbeit über Berufe und Vorbilder.
- Sachinterview: Ein Experte erklärt ein Thema. Du fragst nach Fakten, Zusammenhängen und Hintergründen. Häufig bei wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Themen.
- Meinungsinterview: Du fragst mehrere Personen kurz nach ihrer Meinung zu einem Thema. Die Antworten werden nebeneinandergestellt. Klassisch für Umfragen in der Schulzeitung.
Aufbau eines Interviews: So ist es gegliedert
Ein schriftlich aufbereitetes Interview folgt einem festen Aufbau. Wenn du diesen kennst, wirkst du professionell und verlierst keinen Punkt in der Bewertung.
1. Interview-Kopf (Einleitung)
Vor dem ersten Fragezeichen stellst du die interviewte Person kurz vor. Wer ist sie, was macht sie, warum ist sie für dieses Thema relevant? Diese Einleitung ist ein normaler Fließtext, kein Frage-Antwort-Format. Drei bis fünf Sätze reichen.
Beispiel: „Maria Köhler leitet seit zwölf Jahren eine Berufsschule in Hannover und begleitet Schüler beim Übergang ins Berufsleben. Im Gespräch erklärt sie, worauf Ausbildungsbetriebe wirklich achten.“
2. Hauptteil: Fragen und Antworten
Der Kern des Interviews besteht aus Fragen (F: oder mit deinem Namen abgekürzt) und Antworten (A: oder mit dem Namen der Person). Jede Frage beginnt in einer neuen Zeile, die Antwort direkt darunter. Wichtig: Du schreibst die Antworten so auf, wie die Person tatsächlich gesprochen hat, nur mit leichten sprachlichen Korrekturen (Füllwörter kürzen, Sätze glätten).
Wie viele Fragen? Für eine schulische Aufgabe sind fünf bis acht Fragen ideal. Zu wenige wirken oberflächlich, zu viele verlieren den roten Faden.
3. Abschluss
Viele Interviews enden mit einer abschließenden Frage, die einen runden Abschluss schafft, zum Beispiel ein persönlicher Rat oder ein Ausblick. Optional kannst du nach dem Interview noch eine kurze Abmoderation schreiben, in der du der Person dankst oder auf weiterführende Informationen hinweist.
Interview schreiben: So bereitest du dich richtig vor
Ein gutes Interview wird vor dem Gespräch gewonnen, nicht währenddessen. Wer seine Hausaufgaben gemacht hat, stellt die besseren Fragen.
- Person und Thema recherchieren: Was hat die Person bisher gesagt oder getan? Welche Meinungen werden ihr zugeschrieben? So vermeidest du Fragen, die sie schon hundertmal beantwortet hat.
- Ziel des Interviews festlegen: Was soll der Leser am Ende verstanden haben? Dein Ziel bestimmt, welche Fragen wirklich wichtig sind und welche du weglässt.
- Frageliste erstellen: Schreib mehr Fragen auf, als du brauchst. Im Gespräch wirst du merken, welche sich ergeben und welche sich erübrigen.
- Reihenfolge planen: Beginne mit einfachen, offenen Fragen zum Aufwärmen. Die interessantesten oder kritischsten Fragen kommen in der Mitte, wenn eine Gesprächsatmosphäre entstanden ist.
Gute Interviewfragen formulieren: Die wichtigsten Regeln
Die Qualität eines Interviews steht und fällt mit den Fragen. Hier sind die Regeln, die du dir merken solltest:
- Offene Fragen stellen: Fragen, die mit „Wie“, „Warum“, „Was“ oder „Inwiefern“ beginnen, liefern ausführliche Antworten. Geschlossene Fragen, die man mit Ja oder Nein beantworten kann, geben dir nichts zu berichten.
- Eine Frage pro Fragezeichen: Doppelfragen verwirren. „Und wie haben Sie angefangen und was hat Sie motiviert?“ zwingt die Person, sich für einen Teil zu entscheiden.
- Keine Suggestivfragen: „Finden Sie nicht auch, dass ...“ ist keine Frage, sondern eine versteckte Aussage. Du beeinflusst die Antwort, statt eine echte Meinung herauszufinden.
- Konkret statt allgemein: „Was war Ihr schwierigstes Projekt?“ ist besser als „Wie ist Ihre Arbeit so?“ Konkrete Fragen bringen konkrete Antworten.
- Nachfragen einplanen: Oft steckt in einer Antwort der Keim der besten nächsten Frage. Plane zwei bis drei Nachfragen flexibel ein.
Wenn du verschiedene journalistische Textformen vergleichen möchtest, lohnt sich auch ein Blick auf den Artikel über Zeitungsartikel schreiben, wo ähnliche Prinzipien für sachliche Berichterstattung erklärt werden.
Sprache und Schreibregeln im aufbereiteten Interview
Sobald du ein Interview für eine Schulaufgabe oder die Zeitung aufbereitest, gelten bestimmte Sprachregeln:
- Präsens in der Einleitung: „Maria Köhler leitet ...“ (nicht: leitete). Im aufbereiteten Interview ist die Person im Jetzt aktiv.
- Fragen in indirekter Frageform möglich: Wenn du eine Frage im Fließtext nennst, nutze die indirekte Form: „Gefragt, was sie Schülern empfehle, sagte sie ...“
- Antworten in direkter Rede: Was die Person gesagt hat, steht in Anführungszeichen. Leichte sprachliche Glättungen sind erlaubt, inhaltliche Veränderungen nicht.
- Kennzeichnung von Kürzungen: Wenn du eine Antwort kürzt und dabei etwas auslässt, kennzeichnest du das mit eckigen Klammern und drei Punkten: [...]. Das ist journalistischer Standard.
Die Nachhilfe Mentor App kann dir helfen, deine Fragen auf Klarheit zu prüfen und gezielt Feedback zu offenen, geschlossenen und Suggestivfragen zu bekommen.
Häufige Fehler beim Interview schreiben
- Keine Einleitung: Ohne Interview-Kopf wirkt das Gespräch zusammenhanglos. Der Leser weiß nicht, wen er gerade liest.
- Zu viele geschlossene Fragen: Wenn die meisten Antworten nur ein oder zwei Sätze lang sind, hast du wahrscheinlich zu viele Ja-Nein-Fragen gestellt.
- Unbearbeitete Transkription: Ein wörtliches Mitschrift-Protokoll ist kein Interview. Füllwörter, Satzabbrüche und Wiederholungen müssen herausgefiltert werden.
- Keine erkennbare Dramaturgie: Die Fragen sollten einen Spannungsbogen haben. Nicht alle gleichwertig hintereinander, sondern mit Anfang, Mitte und Ende.
- Inhaltliche Veränderungen der Antworten: Du darfst die Sprache glätten, aber nicht das, was die Person gemeint hat, umdeuten oder weglassen. Das wäre eine Verfälschung.
- Fehlende Quellenangabe: Gib an, wann und wo das Interview stattgefunden hat. Das gehört zum journalistischen Standard.
Checkliste: Interview schreiben
- Person und Thema vor dem Interview recherchiert
- Frageliste mit mindestens acht Fragen vorbereitet, davon hauptsächlich offene
- Interview-Kopf (Einleitung) mit Vorstellung der Person geschrieben
- Mindestens fünf vollständige Frage-Antwort-Blöcke im Hauptteil
- Antworten sprachlich geglättet, inhaltlich korrekt wiedergegeben
- Auslassungen mit [...] gekennzeichnet
- Abschluss oder Abmoderation vorhanden
- Datum und Ort des Interviews angegeben
Wer das Interview als journalistische Textsorte tiefer verstehen möchte, findet im Artikel über Reportage schreiben weitere Techniken der persönlichen Berichterstattung, die gut als Ergänzung passen. Planst du dein Interview für ein Audioformat, zeigt dir unser Artikel Podcast-Skript schreiben, wie du Fragen und Gesprächsverlauf in ein hörbares Skript überträgst.
Bereit, smarter zu lernen?
Lade Nachhilfe Mentor kostenlos herunter und erlebe KI-gestuetztes Lernen selbst.