Kennst du das Gefühl, dass du stundenlang lernst, aber am nächsten Tag kaum noch etwas weißt? Oft liegt das nicht daran, dass du zu wenig lernst, sondern daran, dass du falsch lernst. Genauer gesagt: du lernst an deinem persönlichen Lerntyp vorbei.
Das VARK-Modell des Bildungsforschers Neil Fleming beschreibt vier grundlegende Lerntypen, die beschreiben, auf welchem Weg Menschen neue Informationen am besten aufnehmen. Wenn du deinen Lerntyp kennst, kannst du gezielt die Methoden einsetzen, die für dein Gehirn am natürlichsten sind. In diesem Artikel erfährst du, welche vier Lerntypen es gibt, wie du deinen eigenen herausfindest und welche konkreten Lerntechniken dazu passen.
Das VARK-Modell: Die vier Lerntypen im Überblick
VARK steht für vier englische Begriffe: Visual (visuell), Aural (auditiv), Read/Write (lese-/schreiborientiert) und Kinesthetic (kinästhetisch). Jeder dieser Lerntypen bevorzugt einen anderen Kanal, über den er Informationen aufnimmt und verarbeitet.
Wichtig zu verstehen: Die meisten Menschen sind keine reinen Lerntypen. Du kannst visuell-kinästhetisch sein oder auditive und lese-orientierte Anteile kombinieren. Das Modell ist kein starres Raster, sondern ein Werkzeug, das dir helfen soll, deine Stärken beim Lernen bewusster einzusetzen.
Lerntyp 1: Der visuelle Lerntyp
Visuelle Lerntypen denken in Bildern. Sie merken sich Informationen am besten, wenn sie diese sehen können: als Diagramm, Grafik, Tabelle oder Farbmarkierung. Texte im Fließformat fallen ihnen oft schwerer als strukturierte visuelle Aufbereitungen.
Erkennungszeichen:
- Du erinnerst dich gut daran, wie etwas auf der Seite aussah, aber nicht unbedingt was dort stand
- Du nutzt gerne Farben beim Markieren und Notieren
- Erklärende Grafiken und Schaubilder helfen dir mehr als lange Erklärungen
- Du denkst oft in Bildern und räumlichen Zusammenhängen
Passende Lerntechniken:
- Mindmaps erstellen: Themen visuell verzweigen und verbinden
- Sketchnotes: Notizen mit kleinen Zeichnungen und Symbolen ergänzen
- Farbcodierung: verschiedene Themen, Fächer oder Prioritäten mit Farben markieren
- Diagramme und Flussdiagramme: Abläufe und Zusammenhänge als Bild darstellen
- YouTube-Erklärvideos: visuelle Animationen zum Verständnis nutzen
Lerntyp 2: Der auditive Lerntyp
Auditive Lerntypen verarbeiten Informationen am besten über das Hören. Sie profitieren von Erklärungen, Diskussionen und dem Sprechen über Lernstoff. Wenn du dir etwas laut erklärst oder mit jemand anderem darüber sprichst, bleibt es bei dir besser hängen.
Erkennungszeichen:
- Du erinnerst dich gut an Dinge, die du gehört oder besprochen hast
- Du liest manchmal halblaut mit oder bewegst die Lippen beim Lesen
- Vorlesungen und Erklärungen von Lehrern helfen dir mehr als Bücher
- Musik oder Hintergrundgeräusche stören dich oft weniger als andere
Passende Lerntechniken:
- Laut erklären: den Lernstoff laut für dich selbst zusammenfassen (eng verwandt mit der Feynman-Technik)
- Lernpartner und Lerngruppen: im Gespräch lernen und Fragen stellen
- Aufnahmen: eigene Erklärungen aufnehmen und nochmals anhören
- Podcasts und Hörbücher: Fachinhalte als Audio konsumieren
- Gedächtnis-Eselsbrücken: Merksätze und Reime zum Einprägen nutzen
Lerntyp 3: Der lese-/schreiborientierte Lerntyp
Dieser Lerntyp arbeitet am liebsten mit geschriebenem Text. Er liest gerne und vertieft sein Verständnis durch das Aufschreiben und Umformulieren von Inhalten. Viele klassische Schüler und Studierende gehören diesem Typ an, da das Schulsystem stark auf Texte und schriftliche Aufgaben ausgerichtet ist.
Erkennungszeichen:
- Du lernst gut aus Büchern, Skripten und gut strukturierten Notizen
- Du schreibst Zusammenfassungen und Listen, um Stoff zu verinnerlichen
- Du magst es, Dinge in eigenen Worten aufzuschreiben
- Definitionen, Erklärungen und Textbausteine bleiben dir gut im Gedächtnis
Passende Lerntechniken:
- Zusammenfassungen schreiben: eigene Zusammenfassungen in eigenen Worten formulieren
- Karteikarten: wichtige Begriffe, Definitionen und Fakten aufschreiben und abfragen
- Notizen strukturieren: Vorlesungsmitschriften nach dem Cornell-System aufbereiten
- Umformulieren: Lehrbuch-Texte in eigene, einfachere Sprache übertragen
- Glossare erstellen: Fachbegriffe mit eigenen Definitionen sammeln
Lerntyp 4: Der kinästhetische Lerntyp
Kinästhetische Lerntypen lernen durch Erleben, Ausprobieren und praktische Beispiele. Sie brauchen einen Bezug zur Realität oder müssen etwas "anfassen" können, um es zu verstehen. Reine Theorie ohne praktischen Anwendungsfall ist für sie oft schwer zu greifen.
Erkennungszeichen:
- Du verstehst etwas erst richtig, wenn du ein konkretes Beispiel dazu kennst
- Praktische Übungen und Experimente bleiben dir besser in Erinnerung als Texte
- Du bist ungeduldig bei langen theoretischen Erklärungen ohne Praxisbezug
- Bewegung und Ortswechsel helfen dir beim Denken
Passende Lerntechniken:
- Übungsaufgaben: Aufgaben direkt lösen statt nur Theorie lesen
- Praxisbeispiele suchen: abstrakten Stoff mit eigenen Alltagsbeispielen verknüpfen
- Rollenspiele und Simulationen: Situationen nachspielen (zum Beispiel für Prüfungsgespräche)
- Bewegtes Lernen: beim Rumlaufen Karteikarten abfragen oder Inhalte laut wiederholen
- Projekte und Anwendungen: Gelerntes in echten Kontexten einsetzen
Welcher Lerntyp bist du?
Um deinen Lerntyp besser einschätzen zu können, stell dir diese Fragen:
- Wenn du etwas Neues erklärst bekommst: Verstehst du es besser, wenn du es siehst (V), hörst (A), liest (R) oder selbst ausprobierst (K)?
- Wie lernst du gerade spontan, wenn du keine besondere Methode anwendest?
- In welchen Situationen fällt dir Lernen besonders leicht?
- Welche Art von Aufgaben magst du in der Schule oder im Studium am liebsten?
Die ehrlichste Antwort auf diese Fragen zeigt dir bereits ziemlich gut, wo deine Stärken liegen. Du kannst auch den offiziellen VARK-Fragebogen auf vark-learn.com ausfüllen, der dir ein differenziertes Profil gibt.
Was tun, wenn du mehrere Lerntypen bist?
Die meisten Menschen haben ein gemischtes Profil: vielleicht visuell-kinästhetisch oder auditiv mit starker lese-Komponente. Das ist völlig normal und sogar ein Vorteil. Du kannst mehrere Kanäle gleichzeitig ansprechen und so das Gehirn besser aktivieren.
Praktisch gesagt: Schreibe eine Zusammenfassung (lese-/schreiborientiert), erstelle dazu eine Mindmap (visuell) und erkläre das Thema dann laut für dich selbst (auditiv). Diese Kombination ist für die meisten Lernenden sehr wirkungsvoll.
Der wichtigste Hinweis: Lerntyp allein reicht nicht
Dein Lerntyp zeigt dir, wie du Informationen bevorzugt aufnimmst. Er sagt aber noch nichts darüber aus, wie gut du sie behältst. Deshalb lohnt es sich, deinen Lernstil mit bewährten Lernmethoden zu kombinieren.
Egal welcher Lerntyp du bist: Aktives Abrufen von Wissen ist für alle effizienter als passives Wiederholen. Wer visual ist, profitiert also nicht nur davon, Mindmaps zu zeichnen, sondern auch davon, diese Mindmaps aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren. Wer kinästhetisch lernt, sollte Übungsaufgaben nicht nur lösen, sondern sich hinterher aktiv fragen, welche Prinzipien dahinterstecken.
Wer Nachhilfe Mentor nutzt, kann den KI-Tutor übrigens gezielt einsetzen, um Inhalte passend zum eigenen Lernstil aufzubereiten: visuelle Erklärungen anfordern, Zusammenfassungen generieren lassen oder praktische Beispiele für abstrakte Themen erstellen.
Wenn du außerdem die Pomodoro-Technik mit deinen lerntyp-spezifischen Methoden kombinierst, lernst du nicht nur auf die richtige Art, sondern auch in einem Rhythmus, der Konzentration und Ausdauer gleichzeitig fördert.
Fazit: Lerne so, wie dein Gehirn es mag
Lerntypen sind kein starres System, aber sie geben dir wertvolle Hinweise darauf, welche Lernmethoden für dich besonders gut funktionieren. Probiere die Techniken für deinen Typ aus, beobachte was funktioniert, und passe deinen Lernstil entsprechend an.
Das Ziel ist nicht, nur in deiner Komfortzone zu bleiben. Es geht darum, bewusst Methoden einzusetzen, die zu dir passen, und diese mit effizienten Techniken wie Active Recall oder Spaced Repetition zu kombinieren. So wird Lernen nicht nur effektiver, sondern auch angenehmer.