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Literarische Erörterung schreiben: Aufbau, Tipps und Beispiel für das Abitur

So argumentierst du überzeugend über literarische Texte und Themen.

Was ist eine literarische Erörterung?

Die literarische Erörterung ist eine Aufsatzform, bei der du eine Frage oder These zu einem literarischen Werk oder einem literarischen Thema argumentativ beantwortest. Sie ist ein Kernbestandteil des Deutschabiturs und verlangt von dir, Analyse und Argumentation zu verbinden: Du musst nicht nur zeigen, dass du ein Werk verstehst, sondern auch eine eigene begründete Position dazu entwickeln.

Damit unterscheidet sie sich von der allgemeinen Erörterung, bei der du über gesellschaftliche oder ethische Fragen diskutierst, und von der dialektischen Erörterung, bei der du Argumente systematisch gegenüberstellst. Bei der literarischen Erörterung steht immer ein literarischer Text oder ein literarisches Problem im Mittelpunkt.

Typische Aufgabenstellungen der literarischen Erörterung

Literarische Erörterungen beginnen oft mit einer These oder einer offenen Frage, zum Beispiel:

Allen Aufgaben gemeinsam ist: Du nimmst Stellung, begründest sie mit Textstellen und kommst zu einem klaren Fazit.

Aufbau der literarischen Erörterung Schritt für Schritt

1. Einleitung: These und Werkeinführung

Die Einleitung hat zwei Aufgaben. Erstens führst du kurz das literarische Werk ein (Titel, Autor, Erscheinungsjahr, Gattung). Zweitens formulierst du deine eigene These oder zeigst, welche Frage du im Aufsatz beantworten wirst. Halte die Einleitung kurz: drei bis fünf Sätze reichen.

Beispiel: "Theodor Fontanes Roman 'Effi Briest' (1895) zeigt das Schicksal einer jungen Frau, die an den gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit zerbricht. Im Folgenden möchte ich erörtern, inwiefern Effi als Opfer ihrer Umgebung zu verstehen ist und welche Rolle ihre eigenen Entscheidungen dabei spielen."

2. Hauptteil: Argumente mit Textbelegen

Der Hauptteil ist das Herzstück der literarischen Erörterung. Hier entfaltest du deine Argumentation in mehreren Schritten:

  1. Argument formulieren: Benenne klar, was du behauptest.
  2. Beleg aus dem Text: Zitiere direkt oder paraphrasiere die relevante Stelle. Gib dabei immer an, wo im Text die Stelle steht (Kapitel, Seite oder Szene).
  3. Interpretation: Erkläre, warum diese Textstelle dein Argument belegt. Nutze dabei literarische Fachbegriffe wie Figurencharakterisierung, Erzählperspektive, Leitmotiv oder Symbolik.
  4. Wertung: Schätze ein, wie stark dieses Argument ist und welche Gegenargumente es geben könnte.

Plane mindestens zwei bis drei gut ausgearbeitete Argumentationsschritte. Qualität zählt mehr als Quantität: Ein solides Argument mit sauberem Textbeleg überzeugt mehr als fünf oberflächliche Punkte.

3. Auseinandersetzung mit Gegenargumenten

Eine starke literarische Erörterung zeigt, dass du auch die andere Seite siehst. Benenne mindestens ein Gegenargument und erkläre dann, warum deine Position trotzdem überzeugender ist. Das nennt sich Konzession: Du gibst zu, dass es andere Lesarten gibt, behauptest aber, dass deine die stärkere ist.

4. Schluss: Fazit und Rückbindung

Im Schlussteil beantwortest du die Ausgangsfrage klar und knapp. Fasse zusammen, welche Argumente dich zu deiner Position gebracht haben, ohne dabei neue Informationen einzuführen. Optional kannst du einen kurzen Ausblick hinzufügen, zum Beispiel auf die gesellschaftliche Relevanz des Themas oder die Wirkung des Werkes auf heutige Leser.

Sprache und Stil: So klingst du überzeugend

Die literarische Erörterung wird im Präsens geschrieben, wenn du über den Text sprichst (Textpräsens). Nutze eine klare, sachliche Sprache und vermeide umgangssprachliche Ausdrücke. Wichtig ist außerdem, dass du durchgehend in der Ich-Perspektive oder im unpersönlichen Stil argumentierst, je nachdem was in deiner Aufgabenstellung gefordert wird.

Nützliche Formulierungen für die literarische Erörterung:

Textbelege richtig einsetzen

Einer der häufigsten Fehler in der literarischen Erörterung: Schülerinnen und Schüler zitieren, erklären aber nicht, warum das Zitat relevant ist. Jeder Beleg braucht eine Interpretation. Gehe so vor:

  1. Nenne das Argument.
  2. Gib das Zitat oder die Textstelle an.
  3. Erkläre in eigenen Worten, was die Stelle bedeutet.
  4. Zeige, wie sie dein Argument stützt.

Wenn du unsicher bist, ob ein Beleg wirklich zu deinem Argument passt, hilft dir die Nachhilfe Mentor App weiter: Du kannst Textpassagen eingeben und analysieren lassen, ob deine Interpretation schlüssig ist.

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Literarische Erörterung vs. andere Aufsatztypen

Damit du weißt, wann du welchen Aufsatztyp schreibst, hier ein kurzer Überblick:

Wenn du die Grundlagen der Interpretation beherrschst, fällt dir auch die literarische Erörterung leichter, denn das Arbeiten mit Textbelegen und Fachbegriffen ist in beiden Formen zentral.

Vorbereitung und Zeitmanagement in der Prüfung

In der Abiturprüfung hast du in der Regel etwa fünf Stunden für einen Deutschaufsatz. Plane die Zeit bewusst ein:

Eine durchdachte Gliederung ist bei der literarischen Erörterung besonders wichtig, weil du sonst leicht den roten Faden verlierst. Notiere dir vor dem Schreiben, welche zwei bis drei Hauptargumente du ausführen möchtest und welche Textstellen du dafür nutzt.

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