Ob in Politik, Wirtschaft, Geografie oder Deutsch: Irgendwann sollst du ein Schaubild beschreiben. Viele Schüler verlieren sich dabei in Zahlen oder geben einfach nur die Werte wieder. Dabei folgt eine gute Schaubildbeschreibung einem klaren Aufbau, den du in jeder Klassenarbeit gleich anwenden kannst. In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du ein Schaubild sachlich beschreibst, sinnvoll auswertest und welche Formulierungen dir dabei helfen.
Was bedeutet "ein Schaubild beschreiben"?
Ein Schaubild beschreiben heißt, die in einer Grafik dargestellten Informationen in zusammenhängenden, sachlichen Sätzen wiederzugeben. Ein Schaubild ist dabei der Oberbegriff für alle grafischen Darstellungen von Daten: Balkendiagramme, Säulendiagramme, Kreisdiagramme (Tortendiagramme), Liniendiagramme oder Tabellen. Dein Ziel ist es, einem Leser, der die Grafik nicht vor sich hat, die wichtigsten Aussagen verständlich zu erklären.
Wichtig ist die Trennung von zwei Schritten: Zuerst beschreibst du, was zu sehen ist, ganz sachlich und ohne Wertung. Danach wertest du aus, also deutest du die Zahlen, erkennst Entwicklungen und ziehst Schlüsse. Diese saubere Trennung ist genau das, was deine Lehrkraft sehen will.
Diese Diagrammtypen solltest du kennen
Je nach Diagrammtyp achtest du auf unterschiedliche Dinge:
- Säulen- und Balkendiagramm: gut für den Vergleich einzelner Werte. Suche nach dem höchsten und niedrigsten Wert.
- Liniendiagramm: zeigt Entwicklungen über die Zeit. Achte auf Anstieg, Rückgang, Höhepunkte und Trendwenden.
- Kreisdiagramm: stellt Anteile an einem Ganzen dar (in Prozent). Hier geht es um Verhältnisse, nicht um zeitliche Verläufe.
- Tabelle: enthält oft sehr viele Zahlen. Du musst auswählen, welche Werte wirklich wichtig sind.
Der Aufbau: Schaubild beschreiben in drei Teilen
Eine vollständige Schaubildbeschreibung besteht aus Einleitung, Beschreibung und Auswertung.
1. Einleitung
In der Einleitung nennst du in ein bis zwei Sätzen die wichtigsten Eckdaten: den Titel oder das Thema des Schaubilds, die Art der Darstellung, die Quelle, das Erscheinungsjahr und die verwendete Einheit (zum Beispiel Prozent, Euro oder Millionen Menschen). Ein typischer Einleitungssatz lautet: "Das Säulendiagramm mit dem Titel ... aus der Quelle ... aus dem Jahr ... zeigt ...".
2. Beschreibung der Daten
Jetzt gibst du die wichtigsten Werte wieder, sachlich und geordnet. Beschreibe nicht jeden einzelnen Wert, sondern konzentriere dich auf das Auffällige: den höchsten und niedrigsten Wert, den Durchschnitt, deutliche Sprünge oder klare Verläufe. Gehe dabei strukturiert vor, etwa chronologisch (von links nach rechts) oder von groß nach klein. Bleibe in diesem Teil neutral und vermeide jede Deutung.
3. Auswertung und Deutung
Im letzten Teil interpretierst du die Daten. Welche Entwicklung oder welcher Zusammenhang wird sichtbar? Was könnten die Ursachen sein? Hier darfst du dein Fachwissen einbringen und vorsichtige Schlussfolgerungen ziehen. Formuliere Vermutungen klar als Vermutungen ("Ein möglicher Grund könnte sein, dass ..."). Wenn die Aufgabe es verlangt, rundest du mit einer kurzen eigenen Stellungnahme ab.
Sprache und Zeitform
Beschreibe ein Schaubild im Präsens und in einer sachlichen, neutralen Sprache. Nutze abwechslungsreiche Verben, damit dein Text nicht eintönig wird:
- Anstieg: steigt, nimmt zu, wächst, klettert auf, verdoppelt sich
- Rückgang: sinkt, fällt, nimmt ab, geht zurück, halbiert sich
- Gleichbleibend: bleibt konstant, stagniert, verändert sich kaum
- Vergleich: im Vergleich zu, deutlich höher als, mehr als doppelt so viel wie
Gib Zahlen genau, aber lesbar wieder. Bei sehr vielen Werten kannst du runden ("rund 40 Prozent") und Tendenzen zusammenfassen, statt jede Zahl einzeln aufzuzählen.
Beispiel: Ein Schaubild beschreiben
Stell dir ein Liniendiagramm mit dem Titel "Nutzung von Lern-Apps bei Schülern in Deutschland" vor, das die Jahre 2018 bis 2024 zeigt (Angaben in Prozent, Quelle: fiktives Statistikportal).
Einleitung: Das Liniendiagramm mit dem Titel "Nutzung von Lern-Apps bei Schülern in Deutschland" aus dem Jahr 2024 zeigt, wie sich der Anteil der Schüler, die regelmäßig Lern-Apps verwenden, zwischen 2018 und 2024 entwickelt hat. Die Werte sind in Prozent angegeben.
Beschreibung: Im Jahr 2018 nutzten rund 20 Prozent der Schüler regelmäßig eine Lern-App. Bis 2021 stieg dieser Wert kontinuierlich auf etwa 45 Prozent an. Den stärksten Anstieg gab es zwischen 2020 und 2021. Danach wuchs der Anteil etwas langsamer und erreichte 2024 einen Höchststand von knapp 70 Prozent.
Auswertung: Insgesamt zeigt das Schaubild einen deutlichen Aufwärtstrend. Ein möglicher Grund für den starken Anstieg ab 2020 könnte der Distanzunterricht während der Pandemie sein, der digitale Lernformen stark verbreitet hat. Die Zahlen deuten darauf hin, dass Lern-Apps fester Bestandteil des Schulalltags geworden sind.
An diesem Beispiel siehst du gut, wie die drei Teile ineinandergreifen: Die Beschreibung bleibt bei den Fakten, erst die Auswertung deutet sie. Wenn du deine eigene Beschreibung überprüfen willst, kannst du sie in die Nachhilfe Mentor App hochladen und dir per gezielten Rückfragen zeigen lassen, an welchen Stellen Beschreibung und Deutung noch vermischt sind.
Häufige Fehler beim Schaubild beschreiben
- Beschreibung und Deutung vermischen: Wertungen gehören in die Auswertung, nicht in die reine Datenbeschreibung.
- Jeden Wert einzeln aufzählen: Das wirkt wie eine Liste. Fasse zusammen und konzentriere dich auf das Wesentliche.
- Einheiten und Quelle vergessen: Ohne Prozent, Jahr und Quelle fehlt die Einordnung.
- Falsche Zeitform: Schreibe im Präsens, nicht im Präteritum.
- Vermutungen als Fakten darstellen: Kennzeichne Deutungen immer als Vermutung.
- Keine Struktur: Springe nicht wild zwischen den Werten, sondern gehe geordnet vor.
Checkliste für deine Schaubildbeschreibung
- Nennt die Einleitung Titel, Art, Quelle, Jahr und Einheit?
- Ist die Beschreibung sachlich und ohne Wertung?
- Habe ich die auffälligsten Werte (höchster, niedrigster, Verlauf) erfasst?
- Trennt der Text klar zwischen Beschreibung und Auswertung?
- Ist die Auswertung schlüssig und sind Vermutungen als solche erkennbar?
- Steht alles im Präsens und in sachlicher Sprache?
Fazit
Ein Schaubild beschreiben ist keine Kunst, wenn du dem festen Dreischritt aus Einleitung, sachlicher Beschreibung und Auswertung folgst. Trenne dabei konsequent das, was du siehst, von dem, was du daraus schließt. Die gleiche Logik aus Beschreiben und Deuten brauchst du auch bei der Sachtextanalyse und bei der Bildbeschreibung. Wenn du diese Textsorten ein paar Mal geübt hast, gehen Aufbau und Formulierungen schnell in Fleisch und Blut über.
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